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Über die Bibliothek


Die Sammeltätigkeit begann anfangs der 70er Jahren. Die finanziellen Mittel waren damals sehr beschränkt – und sind es auch heute noch. Die grossen Sammlungen – Helmut Gernsheim, Michel F. Braive (Bild), André Jammes – waren als Vorbild schon damals unerreichbar, und Photographien von bedeutenden Photographen des 19. und 20. Jahrhunderts waren bereits in den 80er Jahren kaum mehr bezahlbar.

Edouard Boubat: Michel F. Braive inmitten seiner
Photographie-Sammlung in Paris, ca. 1965.

Als erreichbare Sammelgegenstände bis Ende des 19. Jahrhunderts blieben wichtige Dokumente zur Geschichte der Technik, Bücher mit Stichen nach Photographien bis etwa 1850 und dann Bücher mit eingeklebten Original-Photographien zwischen etwa 1850 und 1880, erste gedruckte Photographien ab den 1860er Jahren, und schliesslich Reisephotographien des 19. Jahrhunderts aus aller Herren Länder...

Im 20. Jahrhundert erstreckt sich die Sammeltätigkeit vor allem auf wichtige Bildbände, Ausstellungskataloge und wichtige Einzelnummern von Zeitschriften, die inzwischen Photogeschichte gemacht haben. Auch einige Photographien bedeutender Photographen des 20. Jahrhunderts befinden sich in der Sammlung.

Neben Büchern, Photographien und Drucken werden auch Ephemera, Autographen und einzelne Kameras gesammelt.

«In cabinettlichen Stand versetzen»

Die Bibliothek verhält sich zum Buch wie der Wein zur Traube: Das Ganze ist stets mehr als die Summe seiner Einzelteile. Was damit gemeint ist, zeigt sehr schön das Kunstkabinett des Johann Caspar Lavater (1741-1801), welches heute in der Österreichischen Nationalbibliothek verwahrt wird (Bild).

Das Kunstkabinett Lavaters wurde 1923/24 teilweise als Faksimile veröffentlicht. Hier einige Beispiele aus der Mappe «Lavater und die Seinen». Das Bild rechts unten zeigt ihn in seinem Kunstkabinett.

Georg Gessner berichtete 1803 über seinen Schwiegervater Lavater, er habe alle seine Blätter «in eine cabinettliche Form bringen wollen, welche allerdings etwas ganz Einziges in ihrer Art hat, und seinem ganzen Cabinett die Form einer wohlrangierten Bibliothek gab». Die in elegant montierten und in aufwendig gestalteten Kasetten aufbewahrten Blätter versah Lavater mit physiognomischen Erläuterungen und Sinnsprüchen. Indem er seine Sammlung in den von ihm so bezeichneten «cabinettlichen Stand» versetzte, hoffte er, auch aus weniger wertvollen Blättern unverwechselbare Einzelstücke zu machen. [1]

Durch archivgerechte Aufbewahrung und sorgfältige Beschreibung soll auch Photobibliothek.ch in einen vergleichbaren «cabinettlichen Stand» versetzt werden wie seinerzeit Lavaters Sammlung.

World Wide Web

Lavater machte seine Privatsammlung bekannt, indem er eine riesige Korrespondenz pflegte und Bücher schrieb. Und was machen die Zehntausenden von Bibliophilen heute, die es wohl weltweit gibt? Man würde meinen, viele stellten ihre Sammlung im World Wide Web vor. Doch weit gefehlt: Trotz intensiver Recherche kann man die Zahl der Sammler mit eigener Website an den Fingern abzählen. Drei Privatbibliotheken mit ähnlicher Zielsetzung wie Photobibliothek.ch sind in der Linksammlung aufgeführt.

Die auf Photobibliothek.ch vorgestellten Beispiele sollen Referenz- und Anschauungsmaterial für Sammler und andere an der Geschichte der Photographie Interessierte sein. Viel Vergnügen beim Stöbern!

HRG
Photobibliothek.ch – online seit Januar 2007

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[1] Zitiert nach: Mraz/Schögl (Hrsg.), Das Kunstkabinett des Johann Caspar Lavater, 1999, S. 80.