Photobibliothek.ch

 

Katalog

 

Photographie

 

Film

 

John Heartfield

 

Varia et Curiosa

 

Geschichte

 

Illustrationsverfahren

 

Lexikon A-K

 

Lexikon L-Z

 

Virtuelle Ausstellung

 

Kontakt

 

Links


Lexikon L-Z


LICHTDRUCK (1875-1940) – Andere Bezeichnungen: Alber(to)typie, Collotypie, phototypie (f), collotype (e) – Verfahren: Flachdruck – Geschichte: Patent 1855 durch Alphonse Poitevin. 1860 durch F. Joubert verbessert. Leistungsfähiges Verfahren durch Joseph Albert ab 1875. Häufigstes Druckverfahren für Photos am Ende des 19. Jahrhunderts. – Beschrieb: Eine geschrumpfte Chromgelatineschicht auf einer Glasplatte wird durch ein Negativ belichtet, ausgewaschen und befeuchtet. Nur die gehärteten Stellen nehmen die fette Druckfarbe an, während die feuchte Gelatine diese abstösst. – Merkmale: Problemlos erkennbar am typischen Lichtdruck-Runzelkorn. – Referenzen: Gernsheim, Geschichte der Photographie, 1983, S. 708. Museum Folkwang, Verfahren der Fotografie, 1989, S. 76. Heidtmann, Wie das Photo ins Buch kam, 1984, S. 591 ff.

Lichtdruck, ca. 1900, Ausschnitt im Original 7,5 x 5 cm

Vergrösserung: typisches Runzelkorn eines Lichtdruckes


LITHOGRAPHIE, FEDERLITHOGRAPHIE (1800-heute) – Andere Bezeichnungen: Lithographie à la plume (f), litho pen drawing (e) – Verfahren: Flachdruck – Geschichte: 1797 durch Alois Senefelder erfunden. – Beschrieb: Die Zeichnung wird mit lithographischer Tusche auf den glatten Stein aufgetragen. Nach der Präparierung und Befeuchtung des Steines nehmen nur die fettigen Stellen die Druckfarbe an, während die feuchten Stellen diese abstossen. – Merkmale: Absolut gleichmässiger Farbauftrag. Fehlen der Hochdruckmerkmale (Quetschrand, Schattierung). Fehlen der Tiefdruckmerkmale (erhöhtes Farbbild, Druckrand). – Referenzen: Senefelder, Lehrbuch, Neuaufl., 1925, S. 248-272. Van der Linden, Handbuch der grafischen Techniken, 2. Aufl., 1986, S. 182. Winkler, Wie sammle ich Lithographien? 1965.

Federlithographie, ca. 1850, Ausschnitt im Original 7,5 x 5 cm

Lithographiestein zum Druck von 7 Pralinée-Papieren, ca. 1950


LITHOGRAPHIE, GRAVIERMANIER (1800-heute) – Andere Bezeichnungen: Steingravur, gravure sur pierre (f), litho engraving (e) – Geschichte: 1797 durch Alois Senefelder erfunden. – Beschrieb: Die gesamte Oberfläche des Steins wird als Erstes wasserabstossend präpariert. Nach dem Gravieren wird in den Strichen ein Fettgrund angebracht, der später die Druckfarbe annimmt. Auch negative Steingravur möglich (Senefelder = Holzschnitt-Manier). – Merkmale: Auf den ersten Blick wie ein Stich aussehend. Fehlen der Hochdruckmerkmale (Quetschrand, Schattierung). Fehlen der Tiefdruckmerkmale: vor allem der Druckrand, ein leicht erhöhtes Farbbild ist jedoch möglich. – Referenzen: Senefelder, Lehrbuch, Neuaufl., 1925, S. 306 (Holzschnitt-Manier), S. 316-339 (gestochene Manier). Van der Linden, Handbuch der grafischen Techniken, 2. Aufl., 1986, S. 185.

Aktie der New York and New England Railroad Company,
Lithographie in Graviermanier, 1886, Ausschnitt im Original 7,5 x 5 cm


LITHOGRAPHIE, KREIDELITHOGRAPHIE (1800-heute) – Andere Bezeichnungen: Lithographie au crayon (f), litho chalk drawing (e) – Verfahren: Flachdruck – Geschichte: 1797 durch Alois Senefelder erfunden. Wichtiges Illustrationsverfahren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (z.B. Daumier). – Beschrieb: Die Zeichnung wird mit lithographischer Kreide auf den gekörnten Stein aufgetragen. Nach der Präparierung und Befeuchtung des Steines nehmen nur die fettigen Stellen die Druckfarbe an, während die feuchten Stellen diese abstossen. – Merkmale: Kreideartiger Strich, entsprechend der Körnung des Steins. Fehlen der Hochdruckmerkmale (Quetschrand, Schattierung). Fehlen der Tiefdruckmerkmale (erhöhtes Farbbild, Druckrand). – Referenzen: Senefelder, Lehrbuch, Neuaufl., 1925, S. 272-296. Van der Linden, Handbuch der grafischen Techniken, 2. Aufl., 1986, S. 181/182. Winkler, Wie sammle ich Lithographien? 1965.

Kreidelithographie, ca. 1850, Ausschnitt im Original 7,5 x 5 cm


MATTALBUMINPAPIER (1863-1930) – Verfahren: Auskopier- oder Entwicklungspapier – Geschichte: Normales Albuminpapier war praktisch nicht retuschierbar (Negativretusche erforderlich). Mattalbuminpapier konnte dagegen beliebig retuschiert oder koloriert werden. – Beschrieb: Albuminpapier unter Zusatz von Arrowroot-Stärke hergestellt. – Merkmale: Völlig matte Schicht, die mit Bleistift beschriftbar ist, ohne Barytunterlage. Nicht acetonlöslich und die Schicht quillt praktisch nicht, jedenfalls viel weniger als Gelatine (minimes Quellen der Stärkekörner möglich). – Referenzen: Hansch, Frühe Photographien, 1985, S. 75. NPG, Probebilder, «Alboidin».
>>> Albuminpapier

Neue Photographische Gesellschaft (NPG), Probebild für das Mattalbuminpapier «Alboidin», ca. 1915


MISCHTECHNIKEN RADIERUNG/STICH (1512-heute) – Verfahren: Tiefdruck – Geschichte: Die Radierung wurde im 16. Jahrhundert durchwegs als Hilfstechnik zur Vorzeichnung eines Stichs gebraucht. Erst ab dem 17. Jahrhundert wurde sie eigenständig. Auch bei späteren Radierungen sind sehr oft die Feinheiten in Stichmanier herausgearbeitet. – Beschrieb: Eine Radierung wird als Stich (Kupfer oder Stahl) fertig bearbeitet oder später nachgestochen. – Merkmale: Stich- und Radierungsmerkmale auf derselben Platte. – Referenzen: Van der Linden, Handbuch der grafischen Techniken, 2. Aufl., 1986, S. 112/115 (Kupferstich), 116 (Stahlstich), 125 (Radierung als Vorzeichnung), 126 (Abb.).
>>> Kupferstich
>>> Radierung
>>> Stahlstich

Radierung in Stichmanier ergänzt, ca. 1850,
Ausschnitt im Original 7,5 x 5 cm


NATURSELBSTDRUCK (1852-1860) – Andere Bezeichnungen: Nature printing (e) – Verfahren: Tiefdruck – Geschichte: 1852 durch Auer erfunden. Nur kurze Zeit zur Illustration botanischer Bücher verwendet. – Beschrieb: Unmittelbare Abformung in Blei von Gräsern, Blumen, Blättern usw. – Merkmale: Tiefdruckmerkmale: Erhöhtes Farbbild und Druckrand. Problemlos erkennbar an den durch gefaltete Pflanzenteile entstandenen Konturen. – Referenzen: Heidtmann, Wie das Photo ins Buch kam, 1984, S. 553 ff.

M. Auer, Atropa Belladonna (Tollkirsche), Naturselbstdruck, ca. 1857


NEGATIVPAPIER (1885-1930) – Verfahren: Entwicklungspapier – Geschichte: Nachdem ab ca. 1885 Bromsilberpapiere mit relativ hoher Empfindlichkeit zu Verfügung standen, wurden diese auch ohne Barytschicht für Zwischennegative angeboten (z.B. für Edeldruckverfahren). – Beschrieb: Bromsilberpapier ohne Barytschicht auf dünnem Papier, welches mittels «Transparenzöl» durchsichtig gemacht wurde. – Merkmale: Negativ auf nicht barytiertem sehr dünnem Papier. Schicht quillt und ist nicht acetonlöslich. Evtl. noch ölig. Mirroring (Entwicklungspapier). – Referenzen: Hansch, Frühe Photographien, 1985, S. 130-131.

Negativpapier, ca. 1920


OFFSETDRUCK (1903-heute) – Andere Bezeichnungen: Offset (e) – Verfahren: Flachdruck – Geschichte: Um 1900 durch I. W. Rubel erfunden. Erste Offsetdruckmaschinen kamen 1903 auf den Markt. Heute das am häufigsten angewandte Druckverfahren. – Beschrieb: Vom Druckzylinder mit Feucht- und Farbwerk wird das Druckbild zuerst auf ein Gummituch übertragen, mit welchem dann das Papier bedruckt wird. – Merkmale: Die unterschiedlich grossen Rasterpunkte sind problemlos vom Rastertiefdruck zu unterscheiden. Gegenüber der praktisch identischen Autotypie sind die Offsetdruck-Rasterpunkte bis zum Rand gleichmässig gefärbt. – Referenzen: Camera 10/67. Van der Linden, Handbuch der grafischen Techniken, 2. Aufl., 1986, S. 204.
>>> Autotypie (Vergleich Hochdruckmerkmale)
>>> Rastertiefdruck (Vergleich Tiefdruckmerkmale)

Unter einer 10-fach-Lupe sind die Rasterpunkte eines Offsetdrucks bis zum Rand völlig gleichmässig gefärbt, im Gegensatz zur Autotypie ist kein Quetschrand erkennbar


OROTONE (1900-1920) – Verfahren: Bromsilber-Glasdiapositiv – Geschichte: Im Umfeld von Edward Sheriff Curtis (1868-1952) in der Gegend von Seattle ausgeübtes Verfahren. – Beschrieb: Ein Negativ wird seitenverkehrt auf die Rückseite eines Bromsilber-Glasdiapositivs kopiert und mit Goldstaublack hinterlegt. – Merkmale: Hinterglas-Diapositiv, tiefschwarz in den Schatten, leuchtender Goldton in den Lichtern. Übliches Format 11 x 24 Zoll (= 27,5 x 35 cm). – Referenzen: Baldwin, Locking at Photographs, 1991, S. 62. Indianer Nordamerikas, 1993, S. 29. Stephen White Gallery, Catalogue 1980/81, S. 38/39.

Orotone aus dem Umfeld von Edward Sheriff Curtis,
Mount Tacoma, ca. 1910


PANNOTYPIE (1853-1857) – Verfahren: Direkt-Positiv (Unikat) – Geschichte: 1853 erfunden durch Wulff & Co. Paris. – Beschrieb: Die Schicht eines unterbelichteten Kollodium-Glasnegativs wird abgelöst und auf ein Wachstuch übertragen. Dadurch wird ein gemäldeähnliches Aussehen erreicht und das Bild ist unzerbrechlich. – Merkmale: Hellgraue Kollodiumschicht auf Wachstuch. – Referenzen: Hansch, Frühe Photographien, 1985, S. 52-53.

Junger Mann mit Boxerbart, Pannotypie, ca. 1855


PE-PAPIER >>> Bromsilberpapier


PHOTOCHROMDRUCK (1890-1910) – Andere Bezeichnungen: Photochromie – Verfahren: Flachdruck – Geschichte: 1888 durch Orell Füssli patentiert. 1895 wurden die «Photochrom Zürich» und die «Ed. Schroeder & Cie. Zürich» zur «Photoglob» zusammengefasst (Chef: Heinrich Wild). 1896-1906 erschien das «Bulletin Photoglob». Ab 1908 Firmensignet «P.Z.» im Globus. – Beschrieb: Der lichtempfindliche Asphalt wird durch ein Negativ belichtet und mit Lösungsmittel ausgewaschen. Es werden 8...20 Steine für die unterschiedlichen Teilfarben hergestellt (keine echten Farbauszüge, sondern frei nachempfundene Farbgebung). – Merkmale: Sehr feine Farblithographie auf dünnem, braunem Papier, sofort als Photographie erkennbar (übliche Chromolithographien sehen aus wie übermalte Photos). Firma, Nummer und Titel in Golddruck (P.Z. für Photoglob/-chrom Zürich, W.K. für Wehrli Kilchberg). – Referenzen: Königsdorf, Deutschland um die Jahrhundertwende, 1990, S. 145-150. Ursula Heller (ihr Urgrossvater war H. Schmid) in: Tages-Anzeiger Magazin 6/75, S. 9 ff.
>>> Chromolithographie

Photochromdruck, ca. 1900, Ausschnitt im Original 7,5 x 5 cm

Vergrösserung


PHOTOGENISCHE ZEICHNUNG (1835-1841) – Andere Bezeichnungen: Photogenic drawing, Salzpapier – Verfahren: Papiernegativ ohne Entwicklung, ggf. umkopiert zum Positiv – Geschichte: William Henri Fox Talbot gab sein erstes Verfahren «photogenic drawing» im Januar 1839 noch vor der Veröffentlichung der Daguerreotypie bekannt. 1841 veröffentlichte er sein verbessertes Entwicklungs-Verfahren «Kalotypie» (später «Talbotypie» genannt). – Beschrieb: Schreibpapier wird mittels Silbernitrat und Kochsalz lichtempfindlich gemacht, belichtet (30...60 min) und mit Kochsalz oder Kaliumjodid stabilisiert (noch keine eigentliche Fixierung mit Natriumthiosulfat). – Merkmale: Schichtlos, meist Photogramme von Pflanzenteilen u. dgl. Eine photogenische Zeichnung dunkelt nach und ist dunkelbraun bis lila (im Gegensatz dazu bleicht die Kalotypie aus und ist hellbraun bis gelb). – Referenzen: Gernsheim, Geschichte der Photographie, 1983, S. 160 ff. Museum Folkwang, Verfahren der Fotografie, 1989, S. 58 u. 83. Rundbrief Fotografie, Heft 19, S. 37.
>>> Kalotypie
>>> Salzpapierabzug ab Kollodiumnegativ

Der Begriff «Photogenische Zeichnung» sollte auf Abzüge von Talbot und anderen Pionieren der Photographie in der Zeit von 1835 bis 1841 beschränkt bleiben. Das älteste erhaltene Negativ von Talbot «Latticed Window» vom August 1835 wird heute in der British Library aufbewahrt.


PHOTOGRAVÜRE (1855-1920) – Andere Bezeichnungen: Heliogravüre, Mezzotintodruck, Intagliodruck, Rembrandtdruck – Verfahren: Tiefdruck – Geschichte: 1826 erste Versuche durch Nicéphore Niépce. 1840 geätzte Daguerreotypien von Armand-Hippolyte Fizeau. 1854 erstes praktikables Verfahren von Charles Nègre. 1855 Verfahren von Eduard-Denis Baldus. 1878 Verfahren von Karel Klic. – Beschrieb: Pigmentdruck wird auf Kupferplatte übertragen, mit Asphalt bestäubt (Rasterkorn) und anschliessend geätzt. Der Druck erfolgt auf einer Tiefdruckpresse für Stiche. – Merkmale: Aspaltstaubkorn in den Mitteltönen gut erkennbar, Druckrand wie bei Stichen. – Referenzen: Von Niépce bis Stieglitz, Kunsthaus Zürich, 1983. Gernsheim, Geschichte der Photographie, 1983, S. 704. Heidtmann, Wie das Photo ins Buch kam, 1984, S. 168 ff.

Parthie aus dem Englischen Garten Meiningen, Photogravüre, ca. 1890, Ausschnitt im Original 7,5 x 5 cm


PHOTOKERAMIK (1860-heute) – Andere Bezeichnungen: Einstaubverfahren, Einbrennverfahren – Verfahren: Chromat-Einstaubverfahren – Geschichte: F. Joubert patentierte 1860 in England das Chromat-Einstaubverfahren. J. Wyard wandte das Verfahren erstmals 1860 in London kommerziell an. Heute wird das Verfahren noch für wetterfeste Grabphotos angewandt. – Beschrieb: Hygroskopisches Gummi-, Honig- oder Zuckergemisch mit chromsauren Salzen wird belichtet (Schatten bleiben klebrig), mit Keramikfarbe eingestaubt und gebrannt. – Merkmale: Photographie auf Porzellan, Steingut oder Metall unter der gebrannten Glasur. – Referenzen: Eder, Geschichte der Photographie, Bd. 1, 4. Aufl., 1932, S. 792-795. Fleck, Photokeramik, 1909.

Porträt einer etwa 40jährigen Frau, Photokeramik, ca. 1875


PHYSIONOTRACE (1786-1840) – Verfahren: Tiefdruck – Geschichte: Der Physionotrace ist eine 1786 von dem Kammermusiker und Kupferstecher Gilles-Louis Chrétien erfundene Apparatur, die das Verfahren des Silhouettenzeichnens und des Gravierens mechanisierte. – Beschrieb: Zwei Techniken der Porträtdarstellung werden kombiniert: die Silhouette und die Radierung. Durch einen Pantographen (auch Storchenschnabel genannt) werden die Umrisse des Schattenbildes stark verkleinert graviert. – Merkmale: Kreisrunde Radierung mit umgehender Signatur des Erfinders Chrétien oder seiner Nachfolger (Quenedey u.a.), Durchmesser 60 mm, Plattengrösse 90 x 75 mm. – Referenzen: Vivarez, Le Physionotrace, 1906. Friess, Kunst und Maschine, 1993, S. 133-141.

Gilles-Louis Chrétien, Porträt des deutschen Physikers und Astronomen
E. F. F. Chladni, Physionotrace gezeichnet und graviert vom Erfinder, 1809


PIGMENTDRUCK (1860-1940) – Andere Bezeichnungen: Kohledruck, Karbondruck, epreuve au charbon (f) – Verfahren: Edeldruck – Geschichte: 1855 erste Versuche durch Alphonse Louis Poitevin. Verbesserung durch Adolphe Fargier (Frankreich) und Joseph W. Swan (England). Swan brachte 1866 industriell hergestellte Pigmentpapiere in den Handel. – Beschrieb: Ein Negativ wird auf eine pigmenthaltige Bichromatgelatineschicht belichtet. Diese wird an den belichteten Stellen wasserunlöslich. Nicht gehärtete Stellen können anschliessend ausgewaschen werden. Anschliessend meist umgedruckt. – Merkmale: Lichter weniger glänzend als Schatten. Schatten reliefartig erhöht und oft lederartig geschrupft. Von der Woodburytypie kaum zu unterscheiden. – Referenzen: Heidtmann, Wie das Photo ins Buch kam, 1984, S. 138 ff. Museum Folkwang, Verfahren der Fotografie, 1989, S. 70.
>>> Woodburytypie

Epreuve au charbon (double transfert), Pigmentdruck, ca. 1890,
Ausschnitt im Original 7,5 x 5 cm


PLATINDRUCK (1880-1930) – Andere Bezeichnungen: Platinotypie – Verfahren: Auskopierpapier – Geschichte: 1873 durch William Willis erfunden, ab 1879 produziert. Besonders um die Jahrhundertwende von Kunstphotographen wegen der hohen Lichtbeständigkeit benutzt. – Beschrieb: Auskopierpapier ergibt ein blassgelbes Bild, welches in einem Platintonbad in ein praktisch unzerstörbares Platinbild überführt wird. – Merkmale: Schichtlos, grauschwarzer Bildton, nicht ausgebleicht. – Referenzen: Museum Folkwang, Verfahren der Fotografie, 1989, S. 69. Nadeau, Geschichte und Praxis des Platindrucks, 1991.

Indisches Dorf bei Kodaikanal, Platindruck, ca. 1905


POCHOIR (1500-heute) – Andere Bezeichnungen: Schablonendruck, stencil (e) – Verfahren: Durchdruck – Geschichte: Der Druck mittels Schablonen ist uralt: bereits die Höhlenbewohner benutzten die Hand als Schablone und spuckten Farbe an die Hölenwand. Im Mittelalter wurden Spielkarten mittels Schablonen koloriert. Die Lithographien der Epinal-Bilderbogen werden bis heute auf Pochoir-Druckmaschinen koloriert. «Jazz» (1947) von Henri Matisse wurde ebenfalls in Pochoirtechnik gedruckt. – Beschrieb: Druck farbiger Flächen mittels Schablonen. – Merkmale: Während hochwertige Pochoirdrucke sauber begrenzte Farbflächen aufweisen, sehen Bilderbogen eher wie handkoloriert aus. – Referenzen: Van der Linden, Handbuch der graphischen Techniken, 2. Aufl. 1986, S. 207.

Epinal-Bilderbogen «L'Histoire de la photographie» (Ausschnitt),
der Schwarzdruck ist eine Lithographie, während die Kolorierung in Pochoirtechnik erfolgte, 1875


POLAROID (1948-heute) – Verfahren: Sofortbild – Geschichte: 1947 durch Edwin H. Land erfunden. 1948 Polaroid Trennblattverfahren. 1963 Polacolor Trennblattverfahren. 1974 Polaroid SX-70 Monoblattverfahren. 1976 Kodak-Sofortbildverfahren (nach Prozess zurückgezogen). – Beschrieb: Silber bzw. Farbstoffe diffundieren in eine Empfängerschicht. – Merkmale: Trennblattverfahren: 85 x 108 mm (Bild 72 x 95 mm), Klebespuren auf dem weissen Rand. Monoblattverfahren: 107 x 88 mm (Bild 79 x 78 mm), Chemietaschen am unteren Bildrand. – Referenzen: Museum Folkwang, Verfahren der Fotografie, 1989, S. 80.

Amateurphotographie, Polaroid SX-70, ca. 1980


RADIERUNG (1512-heute) – Andere Bezeichnungen: Ätzkunst, eau-forte (f), etching (e) – Verfahren: Tiefdruck – Geschichte: 1512 durch Albrecht Dürer erfunden. Illustrationsverfahren für Bücher bis etwa 1870. Heute noch oft für künstlerische Darstellungen verwendet. – Beschrieb: Platte wird mit säurefestem Ätzgrund überzogen, mit einer Nadel bearbeitet und anschliessend geätzt. – Merkmale: Tiefdruckmerkmale: Erhöhtes Farbbild und Druckrand. Linien beginnen und enden stumpf (Kupferstich: spitz). Wesentlich freiere Linienführung als beim Kupferstich. Oft mit Plattenton. – Referenzen: Van der Linden, Handbuch der grafischen Techniken, 2. Aufl., 1986, S. 123 ff.
>>> Hilfstechniken für Radierungen
>>> Mischtechniken Radierung/Stich

Radierung, ca. 1900, Ausschnitt im Original 7,5 x 5 cm


RASTERTIEFDRUCK (1920-heute) – Andere Bezeichnungen: Kupfertiefdruck, héliogravure (f), photogravure (e) – Verfahren: Tiefdruck – Geschichte: 1890 durch Klic erfunden. Neben der Autotypie das wichtigste Illustrationsverfahren für Bücher von etwa 1920 bis 1970. – Beschrieb: Photographisch erzeugtes Kreuzraster dient als Rakelauflage. Die Rasterpunkte sind umso tiefer, je dunkler der Farbton. – Merkmale: Typisches Tiefdruck-Kreuzraster mit überall gleich grossen quadratischen Punkten, die unterschiedlich stark gefärbt sind (bei der Autotypie und beim Offsetdruck sind die Rasterpunkte unterschiedlich gross und von gleicher Färbung). Die Schrift wirkt im Rastertiefdruck immer etwas «ausgefranst» (sog. «Sägezahneffekt»). – Referenzen: Camera 10/67. Van der Linden, Handbuch der grafischen Techniken, 2. Aufl. 1986, S. 156-160.
>>> Autotypie (Vergleich Hochdruckmerkmale)
>>> Offsetdruck (Vergleich Flachdruckmerkmale)

Postkarte, Rastertiefdruck, Ausschnitt im Original 7,5 x 5 cm

Vergrösserung: typisches Tiefdruckraster


RC-PAPIER >>> Bromsilberpapier


RELIEFKOPIERMASCHINE (1825-1880) – Andere Bezeichnungen: pantograph etchings (e) – Verfahren: Tiefdruck – Geschichte: Reliefkopiermaschinen ermöglichten eine vollautomatische Kopierung von reliefartigen Gegenständen (Münzen, Bas-Reliefs usw.) in photographie-ähnlicher Abbildungsqualität. Erste brauchbare Maschinen gab es bereits ab 1825, also noch weit vor der Erfindung der Photographie! – Beschrieb: Mit einem Pantographen wird die Münzoberfläche abgetastet und im Massstab 1:1 in einen Stahlstich übertragen. – Merkmale: Höhenkuvenartige Linien. – Referenzen: Friesz, Kunst und Maschine, 1993, S. 185-199. Benson, The Printed Picture, MoMA, 2008, S. 92/93.

M. Auer, Londoner Weltausstellungsmünzen von 1851,
Stahlstich mit einer Reliefkopiermaschine hergestellt, ca. 1857

Vergrösserung


SALZPAPIER >>> Kalotypie, Photogenische Zeichnung, Salzpapierabzug ab Kollodiumnegativ


SALZPAPIERABZUG AB KOLLODIUMNEGATIV (1851-1865) – Verfahren: Auskopierpapier – Geschichte: Mit der Erfindung des nassen Kollodiumverfahrens durch Frederick Scott Archer im Jahre 1851 wurde das unempfindliche Papiernegativ der Kalotypie schnell durch das viel empfindlichere Kollodiumnegativ verdrängt (1851 noch 5...20 s, später 1...10 s). – Beschrieb: Schreibpapier wird mittels Silbernitrat und Kochsalz lichtempfindlich gemacht. – Merkmale: Schichtlos, meist stark vergilbt, sodass retuschierte Stellen sich dunkel abheben. Im Gegensatz zur Kalotypie ist die Bildstruktur viel feiner. – Referenzen: Gernsheim, Geschichte der Photographie, 1983, S. 160 ff. Museum Folkwang, Verfahren der Fotografie, 1989, S. 58 u. 83. Rundbrief Fotografie, Heft 19, S. 37.
>>> Kalotypie
>>> Photogenische Zeichnung

Florenz, Campanile del Giotto, Duomo Santa Maria del Fiore, ca. 1955, Salzpapierabzug ab einem Kollodiumnegativ


SCHABEKUNST (1642-1900) – Andere Bezeichnungen: Mezzotinto, manière noire (f), mezzotint (e) – Verfahren: Tiefdruck – Geschichte: Seit 1642 bekannt. Als Stichverfahren zur Halbtondarstellung. – Beschrieb: Die Platte wird zuerst mit einemm Granierstahl gekörnt. Anschliessend wird das Bild durch Glätten mit einem Polierstahl erzeugt (echte Halbtöne). – Merkmale: Tiefdruckmerkmale: Erhöhtes Farbbild und Druckrand. Typisch ist das Mezzotintokorn in Form von Kreuzchen. – Referenzen: Van der Linden, Handbuch der grafischen Techniken, 2. Aufl., 1986, S. 120 ff.

Johann Caspar Lavater, Physiognomische Fragmente,
Schabeblatt, 1775, Ausschnitt im Original 7,5 x 5 cm


SCHABLONENDRUCK >>> Pochoir


SIEBDRUCK (1950-heute) – Andere Bezeichnungen: Sérigraphie (f), (silk)screen printing (e) – Verfahren: Durchdruck – Geschichte: Bereits 1907 durch Samuel Simon patentiert, fand aber erst nach dem 2. Weltkrieg Beachtung für Plakatdruck und künstlerische Graphik. – Beschrieb: Die Druckfarbe wird durch ein partiell undurchlässig gemachtes Sieb auf das Papier gestrichen. – Merkmale: Grosse stark gefärbte Flächen. Die Gewebestruktur ist meist noch gut erkennbar, speziell an den Begrenzungen. Farbe dringt oft bis auf die Rückseite des Papiers. – Referenzen: Van der Linden, Handbuch der grafischen Techniken, 2. Aufl., 1986, S. 210 ff.

Siebdruck, ca. 1960, Ausschnitt im Original 30 x 21 cm


STAHLSTICH (1820-1880) – Andere Bezeichnungen: Siedrographie, gravure sur acier (f) , steel engraving (e) – Verfahren: Tiefdruck – Geschichte: 1820 durch Heath erfunden. Wichtiges Illustrationsverfahren für wertvollere Bücher bis etwa 1880. – Beschrieb: Linien werden in eine weichgeglühte Eisenplatte gestochen, welche anschliessen gehärtet wird. Dadurch sind viel höhere Auflagen und viel feinere Linien als beim Kupferstich möglich. – Merkmale: Tiefdruckmerkmale: Erhöhtes Farbbild und Druckrand. Viel feinere und engere Linien als beim Kupferstich. – Referenzen: Van der Linden, Handbuch der grafischen Techniken, 2. Aufl., 1986, S. 115-116.
>>> Hilfstechniken für Stiche
>>> Mischtechniken Radierung/Stich

Stahlstich, ca. 1850, Ausschnitt im Original 7,5 x 5 cm

Johann Heinrich Locher, La Cathedrale à Fribourg, Stahlstichplatte,
ca. 1850; das spiegelverkehrte Bild wird im Gegenlicht sichtbar


STEINABKLATSCH (350-heute) – Andere Bezeichnungen: Steinabreibung – Verfahren: Weder Hoch-, Tief- noch Flachdruck – Geschichte: Seit dem 4. Jahrhundert in China angewendet. – Beschrieb: Feuchtes Papier wird auf den Stein aufgebracht und mit Bürsten in die Vertiefungen eingearbeitet. Dann wird mit einem Druckerballen die Farbe aufgetupft, wobei alle Vertiefungen weiss bleiben. – Merkmale: Vertiefte weisse Schrift bzw. Illustration im Farbbild (meist schwarz, manchmal rot). – Referenzen: Fischer, Chinesische Steinabklatsche, 1944. Pommeranz-Liedtke, Die Weisheit der Kunst, 1963.

Herstellung von Steinabklatschen im Stelenwald von Xi'an, China, 2004


STRICHÄTZUNG (1880-1970) – Andere Bezeichnungen: Sammelbegriff für chem. Hochdruckverfahren als Holzstich-Ersatz – Verfahren: Hochdruck – Geschichte: Ab etwa 1880 bekam der Holzstich zunehmend Konkurrenz durch chemische Hochdruckverfahren. – Beschrieb: Umdruck oder photographische Übertragung einer Stichvorlage auf eine Hochdruckplatte (meist als Zink, 1,6...2,0 mm dick). – Merkmale: Hochdruckmerkmale: Quetschrand und Schattierung. Im Gegensatz zum Holzstich sind Kreuzungspunkte nicht unterbrochen. – Referenzen: Krüger, Die Illustrationsverfahren, 1914, S. 47-74.
>>> Holzstich

Strichätzung, ca. 1910, Ausschnitt im Original 7,5 x 5 cm


TALBOTYPIE >>> Kalotypie


TEXTILPAPIER (1931-1950) – Andere Bezeichnungen: Gelatine-Silber-Print (allg.) – Verfahren: Entwicklungspapier für Vergrösserungen – Geschichte: Anfangs der 30er Jahre durch Gevaert (Belgien) unter der Bezeichnung «Gevalux» auf den Markt gebracht und in Deutschland durch Voigtländer vertrieben. – Beschrieb: Bromsilberpapier mit senkrecht auf der Papieroberfläche stehenden Härchen, die mit Emulsion umgeben sind. – Merkmale: Problemlos erkennbar an der «samtigen» Oberfläche. – Referenzen: Hansch, Frühe Photogarphien, 1985, S. 85-86.

Gabriel Gillet, Marrakech, Textilpapier, ca. 1930;
Textilpapier hat einen Kontrastreichtum, der von keinem anderen Photopapier auch nur annähern erreicht wird

Ausschnitt 7,5 x 5 cm

Vergrösserung: feine, senkrecht auf der Papieroberfläche stehende
Härchen ergeben eine samtige, tiefschwarze Oberfläche


TONDRUCK (1895-1985) – Andere Bezeichnungen: Irisdruck – Verfahren: Kombinationsdruckverfahren – Geschichte: Um Holzstichen oder Autotypien ein «edleres» Aussehen zu geben wurden Hochdruckverfahren mit Tonplatten im Flachdruck kominiert (auch partielle Anwendung z.B. bei Aktabbildungen). – Beschrieb: Einfarbige Tonplatte (meist Lithographie) wird mit schwarzer Illustration (Holzschnitt oder Autotypie) überdruckt. – Merkmale: Entsprechend den verwendeten Druckverfahren. – Referenzen: Heidtmann, Wie das Photo ins Buch kam, 1984, S. 638-639.

Bachantinnen, Tondruck, 1904


VERGRÖSSERUNGSPAPIER >>> Bromsilberpapier


WOODBURYTYPIE (1865-1900) – Andere Bezeichnungen: Photoglyptie (f), woodburytype (e) – Verfahren: Tiefdruck – Geschichte: 1864 durch Walter Bentley Woodbury erfunden. – Beschrieb: Abformung des Gelatine-Auswaschreliefs eines Pigmentdrucks in einer Bleiplatte. Der Druck erfolgt dann mit der Bleiplatte als Tiefdruckform und pigmentierter Gelatine als Farbe. – Merkmale: Lichter weniger glänzend als Schatten. Schatten reliefartig erhöht und oft lederartig geschrumpft. Kaum vom Pigmentdruck zu unterscheiden. – Referenzen: Museum Folkwang, Verfahren der Fotografie, 1989, S. 75. Heidtmann, Wie das Photo ins Buch kam, 1984, S. 568 ff.
>>> Pigmentdruck

Nadar, George Sand, Woodburytypie; die wohl schönsten Woodburytypien sind die 1876-1880 in den «Galeries Contemporaines» erschienenen Porträts berühmter Persönlichkeiten

Reproduktion eines Wandtepichs, Woodburytypie, ca. 1880, Ausschnitt im Original 7,5 x 5 cm; Woodburrytypien können beliebige Farben haben