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Life – Berühmte Photo-Essays


Life wurde 1936 von Henry R. Luce in New York gründet. Die Namensrechte hatte er zuvor einem humoristisch ausgerichteten Vorgänger-Magazin abgekauft. Die erste Ausgabe erschien am 23. November 1936. Das Magazin wurde dann von 1936 bis 1972 ohne Unterbruch wöchentlich herausgegeben. Zwischen 1972 und 1978 erschien es nur unregelmässig, und zwischen 1978 und 2000 wurde es als Monatsmagazin herausgegeben.

Nach dem Krieg erschien jeweils etwa 4 Wochen nach der Originalausgabe auch noch eine internationale Ausgabe. Diese war wesentlich dünner und oft stimmten Titelblatt und Inhalt nicht mit der Originalausgabe überein.

Life erfand den Photo-Essays und wurde dafür berühmt. Photographen, wie Margaret Bourke-White, Alfred Eisenstaedt, Robert Capa, Herbert Matter, Berenice Abbott, W. Eugene Smith, Werner Bischof, Ernst Haas, Henri Cartier-Bresson usw. arbeiteten für Life.

Als programmatische Absichtserklärung für das Magazin formulierte Henry R. Luce [1]: «Das Leben sehen, die Welt sehen, Augenzeuge grosser Ereignisse sein, die Gesichter der Armen und das Gehabe der Stolzen erblicken – Maschinen, Armeen, Menschenmassen, Schatten im Dschungel und auf der Mondoberfläche; die Werke des Menschen sehen, seine Gemälde, Bauwerke; Dinge wahrnehmen, die Tausende von Kilometern entfernt sind, hinter Mauern, in Innenräumen, an die heranzukommen gefährlich ist; Frauen, die Männer lieben, und Scharen von Kindern; sehen, und am Sehen Freude haben; sehen und staunen; sehen und belehrt werden.»


23. November 1936: Die erste Nummer


Die erste Nummer wurde über längere Zeit vorbereitet, aber erst kurz vor Redaktionsschluss lag das Titelbild fest. Margaret Bourke-White hatte ihr privates Atelier aufgegeben, um für Life zu arbeiten. Für die erste Nummer machte sie eine Reportage über Montana «Franklin Roosevelt's Wild West». Dabei machte sie die Aufnahme vom Staudamm Fort Peck, der den Missouri River zum Fort Peck Lake aufstaut. 1936 war der Damm noch im Bau; er wurde 1940 fertiggestellt.

 

23. November 1936
Fort Peck Dam, Montana, von Margaret Bourke-White

 Die allererste Photographie in Life war die Geburt eines Kindes;
Life begins ...


 Zu Werbezwecken wurde die erste Nummer auch noch als sogenannte «salesman edition» in kleinerem Format gedruckt, hier im Vergleich zur Originalausgabe


1937: Robert Capa – The Death of a Loyalist Soldier


Unter der Überschrift «Death in Spain: The civil war has taken 500'000 lives in one year» wurde das Bild des fallenden Soldaten von Robert Capa berühmt. Das Bild wurde allerdings in Life nicht zum ersten Mal publiziert; die französische Zeitschrift «Vu» hatte es bereits am 23. September 1936 abgedruckt.

 

 12. Juli 1937
 Grace the dummy, von Alfred Eisenstaedt

 


1938: Berenice Abbott – New York


Hier wurden Berenice Abbotts Photos von New York zum ersten Mal publiziert. Ebenso streng wie die Photos ist auch das Layout. Das daraus entstandene Buch «Changing New York» wurde zu einem Meilenstein der Photogeschichte.

 3. Januar 1938
A Lady on ice (Vivi-Anne Hultén), von Herbert Matter,
«a sun-burned Swiss photographer who still struggles with his English»

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Berenice Abbott, Changing New York, New York, Dutton, 1939


1945: W. Eugene Smith – Ivo Jima


Eine der letzten Schlachten im Zweiten Weltkrieg war Ivo Jima. W. Eugene Smith begleitete die Truppen an vorderster Front. Später wandte er sich von der Kriegsphotographie ab und schuf einge der schönsten Photo-Essays überhaupt (siehe «Country Doctor» und «Spanish Village» weiter unten).

 9. April 1945
Ivo Jima, von W. Eugene Smith


 1948: W. Eugene Smith – Country Doctor


Die beiden Photo-Essays von W. Eugene Smith «Country Doctor» und «Spanish Village» (siehe weiter unten) gehören zu den besten und berühmtesten Reportagen aller Zeiten. «Country Doctor» erschien in der Originalausgabe vom 20. September und 3 Wochen später in der internationalen Ausgabe vom 11. Oktober.

 20. September 1948
Broadway rehearsal (Joan Diener), von W. Eugene Smith

 11. Oktober 1948, international edition
Broadway rehearsal (Joan Diener), von W. Eugene Smith

 


1951: W. Eugene Smith – Spanish Village


Nach «Country Doctor» (1948, siehe oben) erschien 1951 der zweite berühmte Photo-Essays von W. Eugene Smith «Spanish Village». Er erschien in der Originalausgabe vom 9. April und 8 Wochen später in der internationalen Ausgabe vom 4. Juni.

9. April 1951
General Omar Bradley, von Arnold Newman

4. Juni 1951, international edition
Michigan's new Senator, Blair Moody, and his sons, von Mark Kauffman


1951: Werner Bischof – U.S. Heeds India's Plea for Food


Als Edward Steichen vom Musum of Modern Art Bischofs Reportage in Life sah, war er tief beeindruckt. Bischof schrieb dazu [2]: «Er [Steichen] glaubt, wenn die amerikanischen Senatoren diese Bilder sehen, sie nicht lange um "Foodlieferungen" diskutieren. Nun, die erste Seite ist wirklich stark, aber die anderen vier hätte ich anders gestaltet.»

28. Mai 1951
Falling Paratrooper, von Hank Walker

 


1953: Ernst Haas – Images of a Magic City


Ernst Haas wanderte 1951 in die USA aus. Anstelle von Photoreportagen komponierte er Photo-Essays in Farbe. In Life vom 14. und 21. September 1953 erschien seine erste Arbeit in zwei Teilen, die alles bisher gesehene in den Schatten stellte. «Images of a Magic City» machte Haas zum weltweit führenden Farbphotographen. Grosse Farbphoto-Essays von ihm erschienen später in Twen, Look, Vogue, Paris Match, Stern usw.

14. September 1953
Casey Stengel's winning smile, von Mark Kauffman


21. September 1953
Juanita Smith, von W. Eugene Smith

 


1953: W. Eugene Smith – My Daughter Juanita


Zufällig im gleichen Heft wie der zweite Teil des Farbphoto-Essays von Ernst Haas erschien auch eine bemerkenswerte Arbeit: W. Eugene Smith's «My Daughter Juanita». Vielleicht das «professionellste» Familienalbum, das je von einem Vater über seine Tochter gemacht wurde.

21. September 1953
Juanita Smith, von W. Eugene Smith

 


1955: Henri Cartier-Bresson – The People of Russia


In den 50er Jahren war Russland ein im Westen weitgehend unbekanntes Land. Henri Cartier-Bresson bereiste es 1954 und veröffentlichte die Photos in Life in zwei Telen am 17. und 31. Januar 1955 (in der Sammlung befindet sich auch noch die internatonale Ausgabe vom ersten Teil vom 7. Februar). In Paris Match erschien die Reportage in veränderter Form am 29. Januar und 5. Februar 1955 (ebenfalls in der Sammlung).

 17. Januar 1955
Military appraisal at Moscow trolley stop, von Henri Cartier-Bresson

7. Februar 1955, international edition
Military appraisal at Moscow trolley stop, von Henri Cartier-Bresson


 

31. Januar 1955
 Spencer Tracy, 25 years as a film star, von J. R. Eyerman


1959: Henri Cartier-Bresson – Red China Bid for a Future


Henri Cartier-Bresson war bereits 1949 in China dabei als Mao Tse-Tung die Macht übernahm. 1949 bereiste er das Land ein weiteres Mal, um Maos «Grossen Sprung nach Vorn» zu dokumentieren. Daraus entstand, nach «People of Russia» eine weitere grosse Reportage, die am 5. Januar 1959 in Life erschien.

5. Januar 1999
New generation Chinese at anti-U.S. rally, von Henri Cartier-Bresson


Verwendete Literatur


[1] Life, The First Fifty Years 1936-1986. Boston, Toronto: Little Brown and Company 1986.

[2] Werner Bischof. 1916-1954 Leben und Werk. Bern: Benteli 1990.


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