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Bibliotheken


 Chinesische Steinbibliotheken


 

Stelenwald in Xi'an. Chinesische Steinbibliotheken sind seit dem 4. Jahrhundert überliefert. Jeder Bibliotheksbesucher konnte eine Kopie des gewünschten «Buches» mit nach Hause nehmen, indem er davon einen Steinabklatsch herstellte.


 

Steinbibliothek des Konfuziustempels in Qufu.


 

Konfuziustempel in Beijing. Wenn ein Student die Prüfung bestanden hatte, wurde sein Name in eine Stele eingraviert, und ein Abklatsch davon konnte dann als «Diplom» verwendet werden.


 Stiftsbibliothek St. Gallen


 

Die Stiftsbibliothek St. Gallen ist Weltkulturerbe der UNESCO. Um den Holzboden zu schonen, müssen alle Besucher überdimensionierte Filzpantoffeln tragen.

«Na dann wollen wir mal, ruft er tatendurstig, wirft den rechten Arm nach vorn, den linken nach hinten, und schon rutscht er im flotten Langläuferstil auf den Filzsohlen davon, zu den Tuotilo-Tafeln, zum Abrogans oder schnurgerade zum langersehnten Höhepunkt seiner Liebesfahrt, zur Nibelungen-Handschrift B.»

(Thomas Hürlimann, Fräulein Stark, 2001)


 

Die Stiftsbibliothek St. Gallen beherbergt einen karolingischen Klosterplan (Faksimiledruck in der Sammlung). Dieser entstand um die Jahre 820...830. Er gilt als der älteste erhaltene Bauplan der Welt.

 

Die Bibliothek ist auf dem vergrösserten Ausschnitt links neben dem Chor zu erkennen, unten das Skriptorium und oben die Bibliothek.

 

Der Klosterplan wurde im Skriptorium des Klosters Reichenau gezeichnet.
Die Mönche orientierten sich wahrscheinlich stark am eigenen Kloster. Noch heute befindet sich in der Klosteranlage auf der Insel Reichenau ein Gebäude neben dem Chor, welches dem Skriptorium und der Bibliothek auf dem Klosterplan enstspricht.


 Schussenried – Bibliothek ohne Bücher


 

Das Prämonstratenserklosters Schussenried (Oberschwaben) wurde 1750-1763 erbaut. Die Bibliothek beansprucht im Mittelteil die obersten zwei Fensterreihen unter dem Mansardendach.

Der barocke Bibliothekssaal.

Illusionistisch auf die Schranktüren gemalte Bücherattrappen täuschen eine geschlossene Front von einheitlichen Bucheinbänden vor.

Doch die Schränke sind (fast) leer. Gerade mal ein Oktavbändchen muss zur Demonstration der Funktion des Foliantenbrettes und Klappsitzes herhalten. Das Kloster wurde 1803 säkularisiert. 1835 waren aber immerhin noch etwa 10'000 Bände vorhanden, die für 2'500 Gulden an einen Antiquar in Stuttgart verkauft wurden.


 

Einige Bände haben sich erhalten. Das älteste bekannte Buch, ein Kettenband von 1450 mit Schriften zur Klostergeschichte, wird heute im Hauptstaatsarchiv Stuttgart verwahrt.


Bibliothèque nationale de France, Paris


 

Die leergeräumte «site Richelieu» im Jahre 2000, nachdem alles Gedruckte in die neue «site François-Mitterrand» gebracht worden war.

«Bibliothèque Nationale. Ich sitze und lese einen Dichter. Es sind viele Leute im Saal aber man spürt sie nicht. Sie sind in den Büchern. Manchmal bewegen sie sich in den Blättern, wie Menschen, die schlafen und sich umwenden zwischen zwei Träumen. Ach, wie gut ist es doch, unter lesenden Menschen zu sein. Warum sind sie nicht immer so? Du kannst hingehen zu einem und ihn leise anrühren: er fühlt nichts. Und stößt du einen Nachbar beim Aufstehen ein wenig an und entschuldigst dich, so nickt er nach der Seite, auf der er deine Stimme hört, sein Gesicht wendet sich dir zu und sieht dich nicht, und sein Haar ist wie das Haar eines Schlafenden. Wie wohl das tut. Und ich sitze und habe einen Dichter. Was für ein Schicksal.»

(Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, 1910)


 

Die neue «site François-Mitterrand» mit zwei ihrer vier Büchertürme
(tour du temps, tour des lois, tour des nombres, tour des lettres);
Architekt: Dominique Perrault.


 

Im Jahre 1836 führte die Bibliothek die berühmt-berüchtigte «Enfer» (Hölle) mit verbotenen Büchern ein. Der Zettelkatalog war nicht besonders gross, 1876 umfasste er 620 Titel. Am 1. Juli 1977 wurde die «Enfer» aufgelöst.

 

Einige Katalogzettel der «Enfer». Neben dem Abbé de Voisenon, Gervaise de Latouche, Baudelaire und natürlich dem Marquis de Sade wurden auch Bücher von Photographen des 20. Jahrhunderts in die «Enfer» verbannt: Hans Bellmer mit «Les Jeux de la poupée» (1949) und Man Ray mit
«1929» (1929).


 The Pierpont Morgan Library, New York


 

Der New Yorker Banker John Pierpont Morgan (1837-1913) liess 1906 für seine Bücher eine Bibliothek im Stile der italienischen Renaissance erbauen.

Der Haupteingang des Gebäudes ist heute geschlossen.

Stattdessen betritt man die Bibliothek über ein 2006 erbautes Gebäude
von Renzo Piano. Von hier aus gelangt man in die verschiedenen Ausstellungen und ins Hauptgebäude.

Blick quer durch das Hauptgebäude von der Bibliothek durch die Eingangshalle in den Studierraum.


 

Der grösste Schatz der Bibliothek sind 3 Gutenberg-Bibeln: Band I und II der Pergamentausgabe, Band I und II der Papierausgabe sowie Band I eines der letzten Exemplare der Druckperiode mit neu gedruckten Seiten.


 

Für die Photographie war J. P. Morgan bedeutsam, weil er «The North American Indian» von Edward S. Curtis (1868-1952) finanzierte. Er schrieb 1906, nachdem er die Photographien von Curtis gesehen hatte: «Mr. Curtis, I want to see these photographs in books - the most beautiful books ever published.» Diesen Eindruck von hoher Qualität sollte die Erstausgabe der Werbebroschüre zur Gewinnung von Subskribenten aus dem Jahre 1907 vermitteln (im Besitz von Photobibliothek.ch).


Österreichische Nationalbibliothek, Wien


Der Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek wurde 1723-1730 erbaut. Er nimmt die ganze Länge der barocken Fassade des Josefsplatzes ein. Das Reiterdenkmal zeigt Josef II.

Der Hauptraum ist 78 m lang, 14 m breit und 20 m hoch. Damit ist der Bibliothekssaal einer der grössten weltweit. Früher war im Prunksaal der gesamte Bestand der Hofbibliothek untergebracht; heute werden hier noch etwa 200'000 Bände verwahrt. 1780 wurde hier der erste Zettelkatalog eingerichtet (bis dahin waren Bibliothekskataloge abgeschlossene Bücher).

Der Erbauer der Bibliothek, Kaiser Karl VI., hat sich exakt im Zentrum der Bibliothek in einem Denkmal verewigt, das ihn als Schirmherr und Förderer der Wissenschaften und Künste zeigt.

Drehregale führen zu kleineren Studierkammern mit Tageslicht, die im Winter, im Gegensatz zum Saal, beheizt werden konnten.

«Unwissende, Diener, Faule, Schwätzer und Herumspazierende mögen fernbleiben. Das Schweigen werde gewahrt. Auch soll man nicht durch lautes Lesen die anderen Benützer stören. Wenn man sich entfernen will, soll man das Buch schliessen, dieses sofern es klein ist persönlich zurückgeben, sofern es gross ist, dem Aufseher Mitteilung machen und es auf dem Tisch liegen lassen. Der Benützer braucht nichts bezahlen, er soll reicher von dannen gehen und öfter wiederkehren.»

(Aus der Benützungsordnung, die Kaiser Karl VI. um 1730 erlassen hatte)


 Holland House, Kensington, London


 

Bibliotheksbesucher im Zweiten Weltkrieg, völlig unbeeindruckt von den Schäden der Bombardierungen, 1940 (Postkarte in der Sammlung).


 Renault-Werbung 1998


 


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