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Chinesische Steinbibliotheken
Stelenwald in Xi'an. Chinesische Steinbibliotheken sind seit dem 4. Jahrhundert überliefert. Jeder Bibliotheksbesucher konnte eine Kopie des gewünschten «Buches» mit nach Hause nehmen, indem er davon einen Steinabklatsch herstellte.
Steinbibliothek des Konfuziustempels in Qufu.
Konfuziustempel in Beijing. Wenn ein Student die Prüfung bestanden hatte, wurde sein Name in eine Stele eingraviert, und ein Abklatsch davon konnte dann als «Diplom» verwendet werden.
Stiftsbibliothek St. Gallen
Die Stiftsbibliothek St. Gallen ist Weltkulturerbe der UNESCO. Um den Holzboden zu schonen, müssen alle Besucher überdimensionierte Filzpantoffeln tragen. «Na dann wollen wir mal, ruft
er tatendurstig, wirft den rechten Arm nach vorn, den linken nach
hinten, und schon rutscht er im flotten Langläuferstil auf
den Filzsohlen davon, zu den Tuotilo-Tafeln, zum Abrogans oder schnurgerade
zum langersehnten Höhepunkt seiner Liebesfahrt, zur Nibelungen-Handschrift
B.»
Die Stiftsbibliothek St. Gallen beherbergt einen karolingischen Klosterplan (Faksimiledruck in der Sammlung). Dieser entstand um die Jahre 820...830. Er gilt als der älteste erhaltene Bauplan der Welt. Die Bibliothek ist auf dem vergrösserten Ausschnitt links neben dem Chor zu erkennen, unten das Skriptorium und oben die Bibliothek. Der Klosterplan wurde im Skriptorium des Klosters
Reichenau gezeichnet.
Schussenried – Bibliothek ohne Bücher
Das Prämonstratenserklosters Schussenried (Oberschwaben) wurde 1750-1763 erbaut. Die Bibliothek beansprucht im Mittelteil die obersten zwei Fensterreihen unter dem Mansardendach.
Der barocke Bibliothekssaal.
Illusionistisch auf die Schranktüren gemalte Bücherattrappen täuschen eine geschlossene Front von einheitlichen Bucheinbänden vor.
Doch die Schränke sind (fast) leer. Gerade mal ein Oktavbändchen muss zur Demonstration der Funktion des Foliantenbrettes und Klappsitzes herhalten. Das Kloster wurde 1803 säkularisiert. 1835 waren aber immerhin noch etwa 10'000 Bände vorhanden, die für 2'500 Gulden an einen Antiquar in Stuttgart verkauft wurden.
Einige Bände haben sich erhalten. Das älteste bekannte Buch, ein Kettenband von 1450 mit Schriften zur Klostergeschichte, wird heute im Hauptstaatsarchiv Stuttgart verwahrt.
Bibliothèque nationale de France, Paris
Die leergeräumte «site Richelieu» im Jahre 2000, nachdem alles Gedruckte in die neue «site François-Mitterrand» gebracht worden war. «Bibliothèque
Nationale. Ich sitze und lese einen
Dichter. Es sind viele Leute im Saal aber man spürt sie nicht.
Sie sind in den Büchern. Manchmal bewegen sie sich in den Blättern,
wie Menschen, die schlafen und sich umwenden zwischen zwei Träumen.
Ach, wie gut ist es doch, unter lesenden Menschen zu sein. Warum
sind sie nicht immer so? Du kannst hingehen zu einem und ihn leise
anrühren: er fühlt nichts. Und stößt du einen
Nachbar beim Aufstehen ein wenig an und entschuldigst dich, so nickt
er nach der Seite, auf der er deine Stimme hört, sein Gesicht
wendet sich dir zu und sieht dich nicht, und sein Haar ist wie das
Haar eines Schlafenden. Wie wohl das tut. Und ich sitze und habe
einen Dichter. Was für ein Schicksal.»
Die neue «site François-Mitterrand»
mit zwei ihrer vier Büchertürme
Im Jahre 1836 führte die Bibliothek die berühmt-berüchtigte «Enfer» (Hölle) mit verbotenen Büchern ein. Der Zettelkatalog war nicht besonders gross, 1876 umfasste er 620 Titel. Am 1. Juli 1977 wurde die «Enfer» aufgelöst. Einige Katalogzettel der «Enfer».
Neben dem Abbé de Voisenon, Gervaise de Latouche, Baudelaire
und natürlich dem Marquis de Sade wurden auch Bücher von
Photographen des 20. Jahrhunderts in die «Enfer» verbannt:
Hans Bellmer mit «Les Jeux de la poupée» (1949)
und Man Ray mit
The Pierpont Morgan Library, New York
Der New Yorker Banker John Pierpont Morgan (1837-1913) liess 1906 für seine Bücher eine Bibliothek im Stile der italienischen Renaissance erbauen.
Der Haupteingang des Gebäudes ist heute geschlossen.
Stattdessen betritt man die Bibliothek über
ein 2006 erbautes Gebäude
Blick quer durch das Hauptgebäude von der Bibliothek durch die Eingangshalle in den Studierraum.
Der grösste Schatz der Bibliothek sind 3 Gutenberg-Bibeln: Band I und II der Pergamentausgabe, Band I und II der Papierausgabe sowie Band I eines der letzten Exemplare der Druckperiode mit neu gedruckten Seiten.
Für die Photographie war J. P. Morgan bedeutsam, weil er «The North American Indian» von Edward S. Curtis (1868-1952) finanzierte. Er schrieb 1906, nachdem er die Photographien von Curtis gesehen hatte: «Mr. Curtis, I want to see these photographs in books - the most beautiful books ever published.» Diesen Eindruck von hoher Qualität sollte die Erstausgabe der Werbebroschüre zur Gewinnung von Subskribenten aus dem Jahre 1907 vermitteln (im Besitz von Photobibliothek.ch).
Österreichische Nationalbibliothek, Wien
Der Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek wurde 1723-1730 erbaut. Er nimmt die ganze Länge der barocken Fassade des Josefsplatzes ein. Das Reiterdenkmal zeigt Josef II.
Der Hauptraum ist 78 m lang, 14 m breit und 20 m hoch. Damit ist der Bibliothekssaal einer der grössten weltweit. Früher war im Prunksaal der gesamte Bestand der Hofbibliothek untergebracht; heute werden hier noch etwa 200'000 Bände verwahrt. 1780 wurde hier der erste Zettelkatalog eingerichtet (bis dahin waren Bibliothekskataloge abgeschlossene Bücher).
Der Erbauer der Bibliothek, Kaiser Karl VI., hat sich exakt im Zentrum der Bibliothek in einem Denkmal verewigt, das ihn als Schirmherr und Förderer der Wissenschaften und Künste zeigt.
Drehregale führen zu kleineren Studierkammern mit Tageslicht, die im Winter, im Gegensatz zum Saal, beheizt werden konnten. «Unwissende, Diener, Faule, Schwätzer und Herumspazierende mögen fernbleiben. Das Schweigen werde gewahrt. Auch soll man nicht durch lautes Lesen die anderen Benützer stören. Wenn man sich entfernen will, soll man das Buch schliessen, dieses sofern es klein ist persönlich zurückgeben, sofern es gross ist, dem Aufseher Mitteilung machen und es auf dem Tisch liegen lassen. Der Benützer braucht nichts bezahlen, er soll reicher von dannen gehen und öfter wiederkehren.» Holland House, Kensington, London
Bibliotheksbesucher im Zweiten Weltkrieg, völlig unbeeindruckt von den Schäden der Bombardierungen, 1940 (Postkarte in der Sammlung).
Renault-Werbung 1998
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