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Schutzumschläge


Schutzumschläge von John Heartfield waren schon immer gesuchte Sammelobjekte, die an Auktionen Höchstpreise erzielten. In jüngster Zeit hat aber auch der ganz gewöhnliche Schutzumschlag eine starke Aufwertung erfahren: erzielt doch die Erstausgabe mit Schutzumschlag oft den vielfachen Preis gegenüber derjenigen ohne Schutzumschlag, auch wenn dieser gar nichts Besonderes darstellt

Die Bibliothek besitzt viele Bücher mit bemerkenswerten Schutzumschlägen. Dabei können drei Kategorien unterschieden werden:

  1. Photographische Schutzumschläge von
    Büchern mit photographischem Inhalt
  2. Photographische Schutzumschläge von
    Büchern mit nicht photographischem Inhalt
  3. Nicht photographische Schutzumschläge von
    Büchern mit nicht photographischem Inhalt

Der weitaus grösste Teil gehört selbstverständlich zur 1. Kategorie. Hier sollen jedoch nur bemerkenswerte Schutzumschläge der 2. und 3. Kategorie vorgestellt werden. Ebenfalls zur 2. und 3. Kategorie gehören die berühmten Schutzumschläge des Malik-Verlags; diese werden separat vorgestellt.


 Makulatureinband


Als Vorläufer des Schutzumschlags können die sogenannten Makulatureinbände angesehen werden, wobei Seiten aus nicht mehr verwendeten Handschriften als Bezugsstoff verwendet wurden.

Karl Scharschmidt: Politischer Welt-Spiegel, Oder Neu-vermehrter Politischer Nachtisch, Darinnen Alle Reiche und Staaten der gantzen Welt curieux und gründlich in Fragen und Antworten vorgestellt werden. Gottfried Leschen, Dresden und Leipzig, 1716.


Interimseinband


Auch der Interimseinband kann als Vorläufer des Schutzumschlages angesehen werden. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war es nämlich üblich, dass der Käufer sein Buch selber, entsprechend seinem Geschmack, binden liess. Dazu wurde das Buch mit einer provisorischen Fadenheftung und einem darüber geklebten Umschag aus dünnem, meist blauen Papier verkauft. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte sich dann nach und nach der Verlagseinband durch.

Johann Caspar Lavater: Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe. Erster Band. Verkürzt herausgegeben von Johann Michael Armbruster. Heinrich Steiner, Winterthur, 1783. – Auf der Rückseite die folgende Subskriptionsanzeige: «Diejenige, so unmittelbar nach dem Empfange des ersten Theils für alle vier Bände ausdrücklich subseribiren, erhalten jeden Band (wovon jeder der folgenden noch mehr Kupfer haben wird) für zwey Französische Thaler - oder 5 fl., den Neuen Louisd'or zu 10. Gulden gerechnet. - Sogleich nach der nächsten Michaelis-Messe, wo GG. der zweyte Band erscheinen wird, wird sein Band unter 6 fl. verkauft werden können. Winterthur, im April 1783. Heinrich Steiner und Comp.»


 Schutzumschläge aus dem 19. Jahrhundert


Nach [1], [2] und [3] kamen in Deutschland erste Schutzumschläge in den 1890er Jahre auf. Der älteste deutschsprachige Schutzumschlag der Bibliothek stammt sogar aus dem Jahre 1886.

—————

[1] Rosner, Die Kunst des Buchumschlages, 1954.
[2] Schauer, Kleine Geschichte des deutschen Buchumschlages im 20. Jahrhundert, 1962.
[3] Buchumschläge 1900-1950, Aus der Sammlung Curt Tillmann, 1971.


Schutzumschlag von 1886, der wohl den schönen Einband vor schmutzigen Kinderhänden schützen sollte.

Maria Rebe: Schwarzbrot. Friedrich Andreas Perthes, Gotha, 1886.


 

Schutzumschlag von 1899. Der Klappentext lautet: «Ohne diesen Schutzumschlag und Schutzkarton wird kein Exemplar zurückgenommen.» Dies beweist erstens, dass das Ding schon damals «Schutzumschlag» hiess, und zweitens, dass der Schutzumschlag offenbar sehr schnell entfernt wurde. Letzteres ist auch kaum verwunderlich, wenn man den äusserst dekorativen Leineneinband mit Gold- und Farbendruck mit dem doch eher bescheidenen Schutzumschlag mit Tier- und Pflanzen-Vignetten vergleicht.

Renata Pfannschmidt-Beutner: Aus dem Hochgebirg. Verlag von Friedrich Bahn, Schwerin in Mecklenburg, 1899.


Schutzumschläge aus dem 20. Jahrhundert


 

Packpapier-Schutzumschlag mit Verlagswerbung auf der Rückseite.

Album von Rügen. Globus Verlag, Berlin, 1904.


 

Pierre Loti: Im Lande der Pharaonen. Deutsche Erstausgabe, Carl Reissner Verlag, Dresden, ca. 1920.


 

Hedwig Courths-Mahler: Frau Majas Glück. Verlag von Friedrich Rothbarth, Leipzig und Bern, 1926.


 

Kurt Tucholsky: Mit 5 PS. 5.-9. Tausend, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1927.


 

 James Joyce: Dublin. Deutsche Erstausgabe, Rhein-Verlag, Basel, 1928.


 

Georg Leichner: Unter russischen Vagabunden. 1.-12. Tausend, Wilhelm Goldmann Verlag, Leipzig, 1928. Schutzumschlag von Kurt Gundemann.


 

Alfred Döblin: Im Buch – Zu Hause – Auf der Strasse. 1.-3. Auflage, S. Fischer, Berlin, 1928. Schutzumschlag von Sascha Stone.


Eugene Lyons: Sacco und Vanzetti – Ihr Leben und Sterben. Deutsche Erstausgabe, Neuer Deutscher Verlag, 1928. Schutzumschlag von Paul Urban.


 

 Kurt Tucholsky: Das Lächeln der Mona Lisa. Erstausgabe, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1929.


 

Erwin Piscator: Das politische Theater. Erstausgabe, Adalbert Schulz Verlag, Berlin, 1929. Schutzumschlag von Laszlo Moholy-Nagy.


 

Egon Erwin Kisch: Zurivy reporter. Erstausgabe, Pokrop Verlag, Prag, 1929. Schutzumschlag von Umbo (d.i. Otto Umbehr).


 

Emil Ludwig: Juli 14. 61.-100. Tausend, Rowohlt, Berlin, 1929.


 

Thomas Mann: Buddenbrooks. Erstes Hunderttausend der ungekürzten Volksausgabe, S. Fischer Verlag, Berlin, 1930. Schutzumschlag von Wilhelm Wagner in Anlehnung an Wilhelm Schulz.


 

Adolf Heilborn: Der Kampf ums Dasein. Erstausgabe, Brehm Verlag, Berlin-Charlottenburg, 1930. Schutzumschlag von Hans Bellmer.


 

Sinclair Lewis: Babbitt. 89.-100. Tausend, Transmare Verlag, Berlin, 1931. Schutzumschlag von Olaf Gulbransson.


 

Hedwig Courths-Mahler: Helen Jungs Liebe. Enszlin & Laiblins, Reutlingen, 1932. «Enszlins Buchumschlag-Schmutzschutz D.R.G.M. 1209640» im Druck signiert mit «Bauer».


 

Alfred Döblin: Babylonische Wandrung. Erstausgabe, Querido Verlag, Amsterdam, 1934. Schutzumschlag von P. L. Urban.


 

James Dyrenforth und Max Kester: Adolf in Blunderland. 5. Auflage, Frederick Muller, London, 1940. Illustrationen von Norman Mansbridge.


 

Anne Frank: Das Tagebuch der Anne Frank. Deutsche Erstausgabe, Verlag Lambert Schneider, Heidelberg, 1950.


  

 T. E. Lawrence: Mosaik meines Lebens. Deutsche Erstausgabe, Paul List Verlag, München, 1952.


 

 Thomas Mann: Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull. Erstausgabe, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 1954. Schutzumschlag von Martin Kausche.


 Schutzumschläge aus der Schweiz


Der älteste Schweizer Schutzumschlag in der Sammlung ist von 1906 und er ist nur auf dem Rücken bedruckt. Joseph Viktor Widmann: An den Menschen ein Wohlgefallen. Vierte, vom Verfasser durchgesehene Auflage. Verlag von Huber & Co., Frauenfeld, 1906.


 

Diese Schutzumschläge haben die schönen Einbände mit den montierten Drucken nach Photographien bis heute wirkungsvoll geschützt.

Ida Bindschedler: Die Turnachkinder im Sommer / Die Turnachkinder im Winter. 11.-14. / 9.-13. Tausend, Verlag von Huber & Co., Frauenfeld, 1915.


Immanuel Fritz: Dr. Barnardo, der Vater der «Niemandskinder». Ein Bild seines Lebens und Wirkens. Sechste Auflage, Orell Füssli, Zürich, 1925.


Oskar Kollbrunner: Treibholz. Irrgänge eines Amerikafahrers. Huber, Frauenfeld, 1927.


Francis Younghusband: Der Heldensang vom Mount Everest. Deutsche Erstausgabe, Benno Schwabe & Co, Basel, 1928.


Luigi Pirandello: Kurbeln. Aus den Tagebuchaufzeichnungen des Filmoperateurs Serafin Gubbio. Deutsche Erstausgabe. Orell Füssli, Zürich, 1932. Schutzumschlag von Walter Cyliax.


 

Albert Ehrismann: Lächeln auf dem Asphalt. Zweite, veränderte Auflage, Orell Füssli, Zürich, 1931. Schutzumschlag von Max Bill.


Berta Schleicher: Meta von Salis-Marschlins. Erstausgabe. Rotapfel-Verlag, Erlenbach-Zürich, 1932.


 

Fritz Wartenweiler: Fritjof Nansen. Vierte Auflage, Rotapfel-Verlag, Erlenbach-Zürich, 1932.


 

Arnold Hagenbeck: Intimes Amerika. Erstausgabe, Verlag A. Francke, Bern, 1933.


 

Hermann Ullstein: Wirb und Werde! Erstausgabe, Verlag A. Francke, Bern, 1935.


 

Konrad Heiden: Adolf Hitler. 8.-10. Tausend, Europa Verlag, Zürich, 1936. Schutzumschlag von Hans Los.


 

B. Traven: Die Troza. Büchergilde Gutenberg, Zürich, 1936. Schutzumschlag von Emil Zbinden.


 

Peter Merin: Spanien zwischen Tod und Geburt. Erstausgabe, Jean Christophe Verlag, Zürich, 1937. Schutzumschlag von Richard Paul Lohse.


 

Fannina W. Halle: Frauen des Ostens. Erstausgabe, Europa Verlag, Zürich, 1938.  Schutzumschlag von Richard Paul Lohse.


 

John Dos Passos: Der grosse Schatten. Büchergilde Gutenberg, Zürich, 1938. Schutzumschlag von Richard Paul Lohse.


Jean Mussard: Geld – Roman der Währungen. Erstausgabe, Jean Christophe Verlag, Zürich, 1938. Schutzumschlag von Richard Paul Lohse.


 

Bergkameraden. Mitglieder des W. A. C. erzählen. Erstausgabe, Orell Füssli, Zürich, 1939.


 

Jürg Weiss: Klippen und Klüfte. Erstausgabe, Orell Füssli, Zürich, 1939. Schutzumschlag von Ernst Buss.


Ad. David: Doktor David erzählt. Erstausgabe, Friedrich Reinhardt, Basel, 1945.


 

Ad. David: Reisen und Jagen. Dritte Auflage, Friedrich Reinhardt, Basel, 1945.


Emil Ludwig: David und Goliath. Geschichte eines politischen Mordes. Erstausgabe, Carl Posen, Zürich, 1945.


Victor Alexandrov: Reise durch das Chaos. Erstausgabe, Falken-Verlag, Zürich, 1946. Schutzumschlag von E. und M. Lenz.


Victor Kravchenko: Ich wählte die Freiheit. Deutsche Erstausgabe, Thomas Verlag, Zürich, 1947.


Wie Wer Was Wo. Aktuelles schweizerisches Jahrbuch 1949. Fraumünster-Verlag, Zürich, 1948.


 

Ida Pruitt: Eine Tochter Chinas. Deutsche Erstausgabe, Rotapfel Verlag, Zürich, 1949. Schutzumschlag von Albert Kunz.


Willy Boesiger: Le Corbusier. Oeuvre complète 1938-1946. Deuxième édition, Editions Girsberger, Zürich, 1950.


Der Schweizer Gemüsebau. Zweite Auflage, Huber, Frauenfeld, 1951.


 

Wie sie leben. Eine Untersuchung über Lebensstandard und Konsumgewohnheiten der Abonnenten des Schweizerischen Beobachters. Erstausgabe, Der Schweizerische Beobachter, 1951. Graphische Gestaltung Fritz Meyer.


Marie-France [d.i. Françoise Sebileau]: Energische Mütter - Mütter, nicht ermüden! - Mutter, sei wahr! Deutsche Erstausgabe, Rex-Verlag, Luzern, 1954-1956. Graphische Gestaltung von Moritz Kennel.


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