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Photographica

1800: Camera obscura (Nachbau)

CAMERA OBSCURA. Breite = 17,5 cm, Höhe = 10,5 cm, Länge = 28,0 cm (zusammengeschoben), um 1800. / Nachbau des Maison Nicéphore Niépce, St. Loup de Varennes, um 2010.

Diese Art Camera obscura wurde erstmals durch Kaspar Schott (1608-1666) in «Magia Universalis Naturae et Artis» auf S. 199-201 beschrieben (Photobibliothek.ch 11227). Schott schreibt dort, dass ihm ein Reisender berichtet habe, dass er in Spanien eine kleine Camera obscura gesehen habe, die man unter dem Arm tragen oder unter dem Mantel verbergen könne. Schott konstruierte deshalb eine eigene kleine Camera obscura, bestehend aus zwei zur Scharfstellung ineinander schiebbaren Kästen. Dies ist exakt der vorliegende Kameratypus. - Tragbare Camerae obscurae scheinen um 1800 in Mode gewesen zu sein. So berichtet auch Goethe in «Die Wahlverwandtschaften» über einen Engländer, der sich in der Art eines frühen «Amateurphotographen» betätigte: «[Der Engländer] beschäftigte sich die grösste Zeit des Tags, die malerischen Aussichten des Parks in einer tragbaren dunklen Kammer aufzufangen und zu zeichnen, um dadurch sich und andern von seinen Reisen eine schöne Frucht zu gewinnen. Er hatte dies schon seit mehreren Jahren in allen bedeutenden Gegenden getan und sich dadurch die angenehmste und interessanteste Sammlung verschafft.»

Photobibliothek.ch 14298

Durch den verschiebbaren Innenkasten mit dem Objektiv wird die Schärfe eingestellt.

Bei dieser Art Camera obscura wird das Bild über einen um 45° geneigten Spiegel auf die Mattscheibe gelenkt. Dies hat den grossen Vorteil, dass das Bild aufrecht steht, aber spiegelverkehrt bleibt es trotzdem. Mit dem Deckel wird die Mattscheibe so gut wie möglich abgeschattet. Sobald der Ausschnitt ausgewählt und das Bild scharf gestellt ist, wird auf die Mattscheibe ein möglichst durchsichtiges Papier oder eine mit Gummiarabicumlösung beschichtete Glasplatte gelegt. Auf dieser Oberfläche kann dann das Bild mit Feder und Tinte oder mit einem Bleistift festgehalten werden.


1833: Camera lucida

CAMERA LUCIDA nach W. H. Wollaston. Am Fuss signiert «P. B.», Firmenzeichen auf Innenseite des Deckels (Maler-Palette, Schrift unleserlich). In Originaletui 6 x 27,5 x 3 cm, mit 12 Linsen, o.J. [ab 1833]. / P. B[erville], Paris.

William Hyde Wollaston (1766-1828) erfand die Camera lucida 1807. Dank ihrer ausserordentlichen Kleinheit wurde sie sehr beliebt und viel von Reisenden und Künstlern benutzt. Ein identisches Modell ist im Musée Nicephore Niépce ausgestellt: Nicéphores Bruder Claude erwarb im Oktober 1818 eine Camera lucida in London für 8,5 Guinees, und auch William Henry Fox Talbot beschreibt in «The Pencil of Nature» seine ihn nicht befriedigenden Bemühungen, am Comer See Skizzen mit Hilfe der Camera lucida anzufertigen. - In der Sammlung befinden sich zwei Camera lucidae, eine mit «P. B.» (vorliegend) und eine mit P. Berville» signiert. Des weiteren befinden sich zwei unterschiedliche Bedienungsanleitungen in der Sammlung, eine von 1922 von P. Berville und eine mit «G. Imbert» gestempelte von 1929. Ausserdem gibt es noch eine Rechnung der Firma P. Berville für ein Occasionsinstrument aus dem Jahre 1947 mit dem Hinweis «Maison Fondée en 1833». Aufgrund dieser Unterlagen kann gesagt werden: Camera lucidae von P. Berville wurden wahrscheinlich seit 1833 hergestellt und bis weit ins 20. Jahrhundert hinein verwendet.

Ref.: Paul Jay, Niépce, 1988, S. 72, 74, 75. Wiegand, Die Wahrheit der Photographie, 1981, S. 46-48. Gilai Collectibles (Internet), identische «19th Century Camera Lucida by Berville».

Photobibliothek.ch 2798

Links am Teleskoparm die Schraubenzwinge zur Befestigung der Camera lucida am Tisch. Rechts das Prisma mit der Halterung für eine der 12 Korrekturlinsen, die im Fach in der Mitte aufbewahrt werden.

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Wie funtioniert die Camera lucida?

Notice explicative sur la chambre claire universelle [CAMERA LUCIDA]. Modèle déposé. / P. Berville, 25, Rue de la Chaussée-d'Antin, Paris. – Paris: Imp. Hemmerlé, Petit et Cie. 1922. – Kl.8°. 25, [2] S. mit 31 Abb. Br. ill.

Photobibliothek.ch 12821

        Figur 1 der Bedienungsanleitung zeigt, was der Zeichner
        sieht, wenn er durch das Prisma schaut:
        Position A: nur das Objekt, aber nicht den Bleistift
        Position B: Objekt und Bleistift
        Position C: nur den Bleistift, aber nicht das Objekt

Die Camera lucida wird  an einem Tisch gegenüber dem abzuzeichnenden Objekt (hier eine Kopie der Venus von Milo) festgeschraubt. Das Zeichenpapier wird auf der Tischplatte mit Klebeband befestigt. Damit das Auge sowohl das Objekt wie die Zeichnung scharf sieht, muss eine passende Korrekturlinse eingesetzt werden (siehe Bild unten).

Auch dem ungeübten Amateur gelingt es nun, mit Blick durch das Prisma, die Umrisslinien in den exakten Grössenverhältnissen nachzuziehen. Etwas Mühe bereitet dabei der Umstand, dass das Objekt durch die obere Hälfte der Pupille und der Bleistift durch die untere Hälfte der Pupille betrachtet werden muss (siehe Bedienungsanleitung Figur 1, Position B).

>>> Bedienungsanleitung zur Camera lucida von Berville (1922)


1889: «The Kodak», ein Meilenstein in der Kamerageschichte

KODAK Nr. 2, ca. 1889/90. Boxkamera. Fabrikations-Nr. 2482. / The Eastman Company (Rochester, NY, USA). – Für Rollfilm, 60 oder 100 Aufnahmen mit einem Durchmesser von 3,5 Zoll. Periskop-Objektiv. Sektorenverschluss. Runder Mattscheibensucher.

George Eastman (1854-1932) erfand die erste Rollfilmkamera und brachte sie 1888 unter dem Namen «The Kodak» auf den Markt. Das revolutionäre Prinzip bestand in der Trennung von Arbeiten, die jeder Photographierende leisten kann, von den Arbeiten, die nur der Fachmann beherrscht. Wenn der Eigentümer seine 100 kreisrunden Aufnahmen gemacht hatte, wurde die Kamera an die Eastman Company gesandt. Hier wurden die Bilder entwickelt und die Kamera mit einem neuen Film geladen. Das ganze wurde dann an den Eigentümer zurückgesandt und dauerte weniger als zehn Tage. - Ab Juni 1888 wurde «The Kodak» mit Zylinderverschluss und noch ohne Sucher produziert, sie machte 100 Aufnahmen mit einem Durchmesser von 2,5 Zoll. Im Laufe des Jahres 1889 wurde der sehr teuer zu fertigende Zylinderverschluss durch einen einfacheren Sektorenverschluss ersetzt und ab Oktober 1889 «Kodak Nr. 1» genannt. Ebenfalls im Oktober 1989 erschien dann die vorliegende «Kodak Nr. 2», ebenfalls mit Sektorenverschluss, aber neu mit Sucher und grösserem Bild-Durchmesser von 3,5 Zoll. - Der Rollfilm bestand zunächst aus Papier mit einer löslichen Gelantineschicht, die nach dem Entwickeln durch warmes Wasser vom Papierträger abgelöst werden konnte. Der Chemiker Henry M. Reichenbach, der von Eastman eingestellt worden war, fand heraus, dass sich aus Nitrozellulose ein viel besser geeigneter biegsamer und transparenter Film herstellen liess. Dieser verbesserte Rollfilm wurde ab April 1889 produziert.

Ref.: McKeown S. 143. Coe, Kodak, 1/3.

Photobibliothek.ch 313

1) Gewünschte Blende durch Drehen der oberen Sektorscheibe (kreisrunde Blendenöffnungen) einstellen und Deckel schliessen. 2) Sektorenverschluss an der Schnur, die nach oben führt, aufziehen; dabei wird die untere Sektorscheibe (mit Schlitz) über das Objektiv nach oben bewegt. 3) Im Mattscheibensucher (oben) den Bildausschnitt festlegen. 4) Auslöseknopf (rechts) drücken; die Sektorscheibe springt zurück (die Belichtungszeit ist durch die Länge des Schlitzes gegeben).

Leeres Magazin

Geschlossenes Magazin

Die Kreisrunde Schablone begrenzt den Bilddurchmesser auf 3,5 Zoll

Beispiel einer fertigen Aufnahme, wie sie der Photograph nach der Verarbeitung
durch Kodak zurückgesandt bekam (Photobibliothek.ch 644)

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The Kodak Manual

The KODAK Manual. – [Erstausgabe.] – Rochester, N. Y.: The Eastman Dry Plate and Film Co. January, 1889. – Kl.8°. 76, [2] S. mit Illustrationen. Krt.

Nach der Kodak-Fibel «The Kodak Primer», die eine reine Webeschrift war, wurde das Kodak-Handbuch «The Kodak Manual» veröffentlicht. Im Januar 1889 erschien die vorliegende 76seitige Erstausgabe, diese wurde dann im Mai 1889 durch eine 90seitige Ausgabe ersetzt. Das Buch gibt erstmals praktische Anweisungen zur Verwendung der Kodak. Diese gliedern sich in vier Kapitel: I. Directions for making the exposures; II. Directions for reloading the Kodak; III. Directions for making the negatives; IV. Directions for making the positives.

Ref.: Newhall, On Photography, 1956, S.121/122. University of Rochester (76- und 90seitige Ausgabe).

Photobibliothek.ch 9959

Anweisung, wie die ganze Kamera (!) gegen
Vorauszahlung zur Entwicklung einzusenden ist


1900: Reisekamera in Handtaschengrösse

REISEKAMERA. Laufbodenkamera o.J. [ca. 1900]. – Für Glasplatten 13 x 18 cm. Objektiv Busch Anastigmat 190mm/1:7,7, Serie III, Nr. 3. Rouleau-Verschluss 1/90-1/15+T, DRGM 169641. Mattscheibe 13 x 18 cm.

Zustand: Ohne Kasetten

Photobibliothek.ch 3888

Zusammengeklappt ist die Kamera nicht grösser als eine Handtasche

Der Auszug über den hinteren Laufboden reicht
für normale Aufnahmesituationen

Über den vorderen Laufboden kann die Kamera zusätzlich bis auf fast die dreifache Brennweite des montierten Objektivs ausgezogen werden


1900: Stereobetrachter fürs Wohnzimmer

STEREOBETRACHTER. Tischmodell, H = 41 cm, B = 24 cm, T = 26 cm, für 50 Stereokarten, o.J. [um 1900].

Zustand: Transportband teilweise schwergängig

Photobibliothek.ch 4302


1900-1980: «The Brownie»

Mit den ersten Kodak-Kameras wurde die Photographie zwar kinderleicht, ab der hohe Preis von 25 Dollar war noch lange nicht für jedermann erschwinglich. George Eastman (1854-1932) beauftragte deshalb seinen Kamerakonstrukteur Frank Brownell (1859-1939), eine Kamera zu entwickeln, die in Massenproduktion billig hergestellt werden konnte. Um auch die Kinder als potentielle Kunden zu gewinnen, wurde sie nach den damals beliebten Brownie-Heinzelmännchen des  Zeichners Palmer Cox benannt (und möglicherweise auch nach Brownell's Übername). Im Februar 1900 kam die erste Brownie-Kamera auf den Markt und wurde zum Welterfolg. Sie kostete den sensationellen Preis von nur 1 Dollar. Im ersten Jahr wurde sie bereits 100'000mal verkauft. Bis 1980 brachte Kodak etwa 100 weitere Brownie-Modelle auf den Markt.

Das Brownie-Buch (1887)

The Brownies - Their Book. / Palmer COX. – First edition, first issue [= erste Ausgabe, erster Druck]. – New York: The Century Co. 1887. – Gr.8°. xi, 144 S. mit zahlreichen Illustrationen. Halbleder unter Verwendung der illustrierten Original-Deckel.

Palmer Cox (1840-1924) veröffentlichte 1883 seine erste Brownie-Geschichte «The Brownie's Ride» in der Kinderzeitschrift «St. Nicholas». Der vorliegende erste Druck der ersten Auflage von 1887 ist das erste Brownie-Buch überhaupt. Es enthält die ersten 24 Brownie-Geschichten. Aufgrund des grossen Erfolgs erschienen bald weiter Bücher: 1890 «Another Brownie Book», 1893 «The Brownies at Home», 1894 «The Brownies Around the World» usw., bis 1918 erschienen insgesamt 12 Brownie-Bücher. - Kennzeichen «first edition, first issue»: Kolophon der De Vinne Press unmittelbar unter der Copyright-Zeile (ab «first edition, second issue» befindet sich dieses am Fuss der Copyright-Seite).

Provenienz: Ex Libris von Mildred Greenhill. Gekauft 2003 Moe's Books, Berkeley, CA: «From the Library of Martin Bradley [Maler, geb. 1931]». – Zustand: Weisses Bl. u. vorgedrucktes Widmungs-Bl. (= S. i-iv) sowie die fliegenden Vorsätze fehlen

Photobibliothek.ch 11868

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Die erste «Brownie» (1900)

The Brownie Camera. Boxkamera, 1900-1901. / KODAK. – Für Rollfilm 117. Objektiv Fixfocus-Meniskus mit Original-Filzdeckel. Rotationsverschluss M+Z. Aufsteckbarer Mattscheibensucher.

Erste Brownie-Kamera, benannt nach den Heinzelmännchen-Comics von Palmer Cox, angeblich zu Ehren des Konstrukteurs Frank A. Brownell. Sie war speziell für Kinder gedacht (günstiger Preis, einfache Bedienung) und war 1900-1980 in mehr als 100 Modellen erfolgreich.

Ref.: Coe 3/1. Photo-Antiquaria 1/1989, S. 5-8. – Zustand: Sehr gut erhalten

Photobibliothek.ch 575

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Brownie Nr. 2 in der Originalschachtel (1929)

Brownie Nr. 2, Modell F (USA-Ausführung), rot. Boxkamera, 1929-1933. In Originalschachtel. / KODAK. – Für 120er Rollfilm. Objektiv Fixfocus-Meniskus. Rotationsverschluss. 2 Brillantsucher.

Mit der bekannten Originalschachtel mit dem Brownie-Männchen aus den Heinzelmännchen-Comics von Palmer Cox (angeblich so benannt zu Ehren des Konstrukteurs Frank A. Brownell).

Ref.: Coe 3/3. Photo-Antiquaria 1/1989, S. 5-8.

Photobibliothek.ch 573

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Die Bakelitkamera «Brownie Baby Spezial» (1954)

Brownie Baby Special. Bakelit-Boxkamera in Original-Schachtel und mit Original-Gebrauchsanweisung, o.J. [ca. 1954]. / KODAK. – Für 127er Film (5 x 6,5 cm). Objektiv Fixfocus-Meniskus. Rotationsverschluss. Fernrohrsucher.

Die äusserst erfolgreiche Kamera wurde 1939-1954 produziert. In Originalschachtel mit Mutter und Kind im Bikini (d.h. um 1954). Mit Original-Gebrauchsanweisung «Meet Your Baby Brownie Spezial Camera» mit dem Brownie-Männchen.

Ref.: Coe 3/49.

Photobibliothek.ch 11534


1902: Aktinometer

Bee Meter. Aktionometer in Form einer Taschenuhr, o.J. [ca. 1902]. / [Alfred] WATKINS.

Durch Alfred Watkins 1895 patentiert. Die Belichtungsmessung erfolgt aufgrund einer Probebelichtung von Chlorsilberpapier auf einen Referenz-Grauwert. Montiert ist ein Referenz-Grauwert. Im Gehäuse befinden sich noch eine weitere Referenz mit zwei Grauwerten sowie 4 Reserve-Chlorsilberpapiere.

Ref.: Podlogar S. 27/28 u. 179.

Photobibliothek.ch 11538

>>> Thema «Belichtungsmessung»


1905: Optischer Belichtungsmesser

Aktino-Photometer. Optischer Belichtungsmesser, Magnalium-Guss, ca. 1905. In Original-Kartonschachtel. / [Gustav] HEYDE, Dresden.

Beim Durchblick durch das Photometer wird mittels Blaukeil ein bestimmter Verdunkelungsgrad erzeugt.

Ref.: Photo-Antiquaria 3+4/1985, Nr. 3. Podlogar S. 40.

Photobibliothek.ch 3284

>>> Thema «Belichtungsmessung»


1905: Ingenieuse «Detektivkamera»

Klito No. 1A. Magazinkamera («Detektivkamera»), ca. 1905. / HOUGHTON, London. – Magazin für 24 Platten 8 x 10,5 cm. Objektiv verkitteter Zweilinser 125mm/1:11, auswechselbar. Horizontaler Guillotine-Verschluss 1/100-2+T. 2 Brillantsucher.

Bei Kameras für mehrere Aufnahmen waren um 1900 zwei Systeme im Widerstreit: Magazinkameras für Glasplatten und Rollfilmkameras. Die letzteren haben sich schliesslich durchgesetzt, aber auch Magazinkameras, oft auch «Detektivkameras» genannt, waren sehr ingenieuse Konstruktionen, wie die vorliegende Kamera beweist.

Ref.: McKeown S. 289 (= Klito No. 0).

Photobibliothek.ch 9727

Wechselobjektiv in Form eines Schiebers, der in die dafür vorgesehen Öffnung geschoben und dann von der anderen Seite mit einer Schraube fixiert wird

Da beim Objektivwechsel Licht in die Kamera eindringen würde, kann das Objektiv durch ziehen eines Gestänges lichtdicht abgedeckt werden

Die unbelichteten Platten werden im Dunkeln senkrecht ins Magazin eingefüllt und durch Schliessen der oberen Türe mit einer Spiralfeder nach vorne gedrückt. Nach der Belichtung wird ein Hebel betätigt, der die belichtete Platte schräg nach vorne in den unteren Teil des Magazins kippen lässt. Die belichteten Platten können von dort durch die untere Türe im Dunkeln zum Entwickeln herausgenommen werden.


1910: Unbekannte Schweizer Kamera

HELVETIA. Klappkamera mit Laufboden und Schwenkrahmen, o.J. [ca. 1910]. / Carl Pfann, vorm. Krauss & Pfann, Zürich. – Platten 9 x 12 cm. Objektiv Periskop-Aplanat Carl Pfann Zürich 1:11 f = ca. 14 cm. Verschluss «Ica» 1/100-1/25+B+T. Grosse Mattscheibe und kleiner drehbarer Brillantsucher.

Unbekannte Schweizer Kamera. Sitzende Helvetia auf der lederbezogenen Aussenseite des Laufbodens. Schriftzug «Helvetia» auf dem Handgriff aus Leder. Innenseite des Laufbodens und Schwenkrahmen aus blankem Aluminium. Welche Teile tatsächlich von Carl Pfann in Zürich gefertigt und welche zugeliefert wurden ist unklar. Sicher ist nur der Verschluss von Ica und wohl auch das Objektiv. Ica A.G. Dresden wurde 1909 gegründet als Fusion von Hüttig, Krügener, Wünsche, Zeiss Palmos und später (1911) G. Zulauf in Zürich.

Datierung gemäss [1]:
1900-1906: Krauss & Pfann, Bahnhofstrasse 85, Zürich
1907-1910: Carl Pfann, Uraniastrasse, Haus «Urania», Zürich
1911-1915: Carl Pfann, Bahnhofstrasse 93, Ecke Bahnhofplatz, Zürich

Ref.: [1] Walter Baur: Zürcher Photoindustrie- und Photohandelsfirmen von den Anfängen bis ca. 1930. Dokumentation zusammengestellt aus den Altbeständen des Photographischen Instituts der ETH. – Zustand: Feststellschraube des Schlittens fehlt

Photobibliothek.ch 11533

Sitzende Helvetia


1915: Bereits 1924 auf dem Mount Everest?

Vest Pocket Autographic. Spreizenkamera mit Autographic-Einrichtung, produziert 1915-1926. / KODAK. – Rollfilm Autographic A-127 für 8 Aufnahmen 4 x 6,5 cm. Fixfocus-Objektiv 90 mm. Verschluss 1/50-1/25+B+T. Drehbarer Brillantsucher.

Die Vest Pocket Autographic war in jüngster Zeit immer wieder in den Schlagzeilen, weil Malory und Irvine eine solche Kamera bei sich trugen, als sie am Everest ums Leben kamen. Ob sie den Gipfel möglicherweise bereits 1924 erreicht hatten, ist bis heute ungeklärt (die Erstbesteigung gelang Hillary und Tenzing erst 1953). Seit die Leiche Malorys 1999 gefunden wurde, wurde mehrfach nach der Kamera gesucht. Mitarbeiter von Kodak zeigten sich zuversichtlich, den möglicherweise in der Kamera befindlichen Film auch nach 75 Jahren noch entwickeln zu können.

Ref.: McKeown S. 204. Coe, Kodak, 4/51. Coe/Gates, Schnappschuss-Photographie, 1979, S. 31-33 (ausführliche Beschreibung). – Zustand: Schreibstift nicht original

Photobibliothek.ch 9963

Mit der Autographic-Einrichtung kann jede Aufnahme mit Hilfe eines Schreibstifts individuell beschriftet werden (Kohlepapier zwischen Film und Lichtschutzpapier)


1923: Komplizierter Belichtungsrechner

Le Posographe. Breveté: France, Belg[ique], All[emagne] etc. Belichtungs-Rechenschieber mit italienischer Beschriftung, 13,5 x 9 cm, 1923. / KAUFMANN, Constr., 11 rue Republique, Puteaux, France.

Je für Innen- und Aussenaufnahmen können über 6 Schieber die Daten eingegeben und die Belichtungszeit berechnet werden. Verbindung der Schieber über ein unsichtbares Hebelsystem. Seltenes und interessantes Stück. Datierung: Autochrom aufgeführt, gemäss Podlogar S. 16/18: 1923.

Ref.: Podlogar S. 16/18.

Photobibliothek.ch 3285

>>> Thema «Belichtungsmessung»


1925: Die erste Kleinbildkamera

LEICA I. Kleinbildkamera produziert ab 1925, Nr. 48004 [= 1930]. / Leitz. – Für Kleinbildfilm 35 mm. Objektiv Elmar 1:3,5 F=50 mm. Schlitzverschluss 1/20-1/500+Z. Fernrohrsucher.

Erste Leica, ab 1925 produziert (erste Apparate mit den Objektiven Anastigmat und Elmax), Objektiv noch nicht auswechselbar.

Ref.: McKeown S. 346.

Photobibliothek.ch 572

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Russische Kopie der Leica II (1934-1955)

FED If. Kleinbildkamera, Nr. 296376, produziert 1947-1953, exakte Kopie der Leica II. / FED [Felix Edmundowitsch Dserschinski]. – Für Kleinbildfilm 35 mm. Objektiv FED 1:3,5 F=50 mm mit Gewinde. Schlitzverschluss 1/20-1/500+Z. Durchsichtsucher und Messbild-Entfernungsmesser getrennt.

FED produzierte zwischen 1934 und 1955 die berühmt-berüchtigte Kopie der Leica II in Russland. Da sie bis zur letzten Schraube dem Vorbild entspricht, wird sie heute oft als Ersatzteillager oder zur Fälschung teurer Sammler-Leicas verwendet (z.B. als vergoldete Leica II).

Ref.: McKeown S. 226/227. Pont/Princelle, 300 Leica copies, 1990, S. 266/267. – Zustand: Tadellos, voll funktionstüchtig.

Photobibliothek.ch 11782


1932: Eine Marketingstrategie, die in die Geschichte einging

Preisbox. Boxkamera, ca. 1932. / AGFA. – Rollfilm 6 x 9 cm. Fixfocus-Objektiv 110mm/1:11. Verschluss M+T. 2 kleine Mattscheibensucher.

Von dieser Boxkamera wurden - trotz Weltwirtschaftskriese - innerhalb weniger Monate über 1 Million Stück zum sensationellen Preis von nur 4 Reichsmark verkauft. Die vier 1-Mark-Münzen mussten von den Prägeanstalten A (Berlin), G (Karlsruhe), F (Stuttgart) und nochmals A sein. Die Marketingstrategie zur Einprägung des Markennamens A-G-F-A ging in die Werbegeschichte ein.

Ref.: McKeown S. 28. Photo-Antiquaria 1+2/1991 S. 39-74, 3/1991 S. 30-35, 1/1993 S. 26-27.

Photobibliothek.ch 3828


1932: Die erste Rolleiflex mit der berühmten Kurbel

ROLLEIFLEX Standard 6x6. Zweiäugige Spiegelreflexkamera, No. 213494, ca. 1932. Tranportkurbel mit Zählwerk, Rotfenster am Rücken (B1-Film) und am Boden (B2-Film). / Franke & Heidecke. – Für B1-Film 6x6 und B2-Film 6x9. Objektiv Tessar 1:3,8 f=7,5 cm Carl Zeiss Jena Nr. 1338619. Compur-Verschluss 1-1/100 + B + T. Klappschacht, Mattscheibe mit Heidoscop-Anastigmat 1:3,1 f=7,5 No. 212313, Rahmensucher mit Augenspiegel im Schnittpunkt.

Gegenüber dem ersten Modell von 1928 wurde beim vorliegenden zweiten Modell der Filmspulknopf erstmals durch die bekannte Rolleiflex-Transportkurbel ersetzt. Die Kamera war auch mit dem preisgünstigeren Tessar 1:4,5 lieferbar (ab 1934 kam noch das lichtstärkere Tessar 1:3,5 hinzu). - Beiliegt: Bereitschaftstasche aus Leder.

Zustand: Starke Gebrauchsspuren, aber vollständig und funktionstüchtig

Photobibliothek.ch 11532


1933: Elektrischer Belichtungsmesser

Selenzellen-Belichtungsmesser Metraphot, o.J. [ca. 1933]. Mit Irisblende und Analog-Anzeigeinstrument. In Lederetui mit eingeklebter Bedienungsanleitung. / [Hersteller: METRAWATT.]

Die Siegfried Guggenheimer AG (gegründet 1906) musste ihren jüdisch klingenden Namen 1933 in Metrawatt wechseln, und die Bezeichnung der Belichtungsmesser wurde von Metrophot in Metraphot geändert. - Der Belichtungsmesser wurde auch mit Zubeörschuh zur Leica geliefert (1933).

Ref.: Hasenbroeck S. 143. Photo-Antiquaria 3/1996. Podlogar S. 59.

Photobibliothek.ch 316

>>> Thema «Belichtungsmessung»


1947: Erfolgreichste Stereokamera für Kleinbildfilm

STEREO REALIST Model 1041. Stereokamera, produziert von 1947 bis 1971, Seriennummer A10925 [= 1950]. / David White Company, Milwaukee, Wisconsin. – Für Kleinbildfilm 35 mm. 2 Objektive David White Anastigmat 1:3,5 / 35 mm, Basis 69,3 mm. Verschluss 1...1/150 + B + T. Entfernungsmesser mit Basis 123 mm.

Die «Stereo Realist» ist die erfolgreichste Stereokamera für Kleinbildfilm. Auf einem 135er Film für 36 Kleinbildnegative 24 x 36 mm haben 28 Stereopaare von je 23,4 x 25,4 mm Platz. Der Film wird jeweils um 10 Perforationslöcher transportiert, so dass zusammengehörende Paare jeweils das erste und das vierte Bild ergeben (der Platz zwischen Bild 1A und 2A bleibt leer).

Photobibliothek.ch 14758

Objektivdeckel geöffnet

Objektivdeckel geschlossen

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Manual zur «Stereo Realist»

STEREO REALIST MANUAL. / Willard D. Morgan, Henry M. Lester and 14 Contributors. – New York [u.a.]: Morgan & Lester [u.a.] 1954. – 8°. 400 S. mit Abb. (zahlr. Stereopaare), Stereobetrachter. Pbd. SU.

Photobibliothek.ch 3680


1948: Die erste kommerziell gefertigte Sofortbildkamera

POLAROID Model 95 Land Camera. Erste kommerziell gefertigte Sofortbildkamera. In Originalschachtel. – Für Polaroid-Film Typ 40 sepia oder Typ 41 black and white (ab 1950). Objektiv 135mm/1:11. Pendelverschluss 1/8 bis 1/60 Sekunde. Produziert von 1948 bis 1953.

Edwin H. Land stellte am 21. Februar 1947 vor der Optical Society of America das erste funktionsfähige Sofortbildsystem vor. Die erste kommerziell gefertigte Sofortbildkamera «Polaroid Model 95 Land Camera» (so die offizielle Bezeichnung) kam am 26. November 1948 auf den Markt. Damit ging der Traum vieler Photographen in Erfüllung, das fertige Bild schon nach einer Minute in der Hand zu halten. Der erste Sofortbildfilm «Typ 40 sepia» mit einer Empfindlichkeit von 100 ASA bestand aus zwei zusammenhängenden Rollen: der Negativrolle, deren Negative belichtet wurden, und der Positivrolle mit den Positiven und den Entwicklerkapseln. Durch Herausreissen des «Abfalls» der letzten Aufnahme wurden die beiden neuen Streifen samt Entwicklerkapsel durch zwei Stahlrollen gequetscht und verblieben so vorerst im Dunkeln der Kamera, die dann nach einer Minute geöffnet werden durfte, um das positive Bild vom Negativ zu trennen. Der «Abfall», der wiederum in der Kamera verblieb, diente zum Herausziehen der nächsten. - Von der Polaroid 95 wurden von 1948 bis 1953 mindestens 800'000 Stück produziert. Diese haben, ausser der laufenden Anpassung der eingedruckten Patentnummern, nur wenige Unterscheidungsmerkmale: Bei den ersten 300'000 war der Blitzanschluss mit «FLASH» angeschrieben, und das Visierstäbchen des Suchers war bei den letzen 100'000 keine Feder mehr. Die vorliegende Kamera trägt die Nummer 622'018, ist also ohne Flash-Beschriftung und mit Feder-Visierstäbchen. Nachfolgemodelle waren die praktisch gleich aussehenden Modelle 95A (1954-1957) und 95B (1957-1961). - Beiliegt: Garantiescheine, Rücksende-Couverts, Weihnachtskarte usw. sowie ein Stück Polaroid-Film (wahrscheinlich Typ 41).

Ref.: Bedienungsanleitung «Pictures in a Minute» (separat erfasst). – Provenienz: Konvolut Polaroid 95, 15.10.2013.

Photobibliothek.ch 14734

Okular, Sucherlinse und Visierstäbchen
müssen auf eine Linie gebracht werden

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Bedienungsanleitung

Pictures in a minute with your POLAROID Land Camera. [Bedienungsanleitung zur Polaroid Model 95 Land Camera.] – Cambridge, Mass.: Polaroid Corporation o.J. [1948 oder danach]. – Kl.8°. 22, [1] S. mit Abb. (Umschlag mitgezählt). Broschur illustriert.

Provenienz: Konvolut Polaroid 95, 15.10.2013.

Photobibliothek.ch 14735

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Belichtungsmesser von General Electric

POLAROID Exposure Meter Model PR-22. Selen-Belichtungsmesser in Bakelit-Gehäuse zu Polaroid Model 95 Land Camera. In Originalschachtel. / Made by General Electric. Produziert von 1948 bis 1953.

Der Belichtungsmesser ist von 2...8 geeicht. Diese Zahlen entsprechen den Blenden-Zeit-Kombinationen, die an der Polaroid 95 ebenfalls als Zahl eingestellt werden. Gemäss Bedienungsanleitung der Polaroid 95 entsprechen die Zahlen: 1 = f:11 mit 1/8s, 2 = f:11 mit 1/15s, [...] 7 = f:32 mit 1/60s, 8 = f/45 mit 1/60s (Filmempfindlichkeit 100 ASA).

Provenienz: Konvolut Polaroid 95, 15.10.2013.

Photobibliothek.ch 14736


1953: Eine der ersten Kleinbild-Spiegelreflexkameras

Contaflex I. Kleinbild-Spiegelreflexkamera, 1953-1958. / ZEISS IKON, Stuttgart. – Kleinbildfilm 35 mm. Fest eingebautes Carl-Zeiss-Objektiv «Tessar» 45mm/1:2,8. Verschluss «Synchro-Compur» 1/500-1+B mit Selbstauslöser. Mattscheibensucher mit Dachkant-Pentaprisma.

Die erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera mit einem Dachkant-Pentaprisma (kein Spiegelsystem) war die «Contax S» von Zeiss Ikon VEB Dresden um 1949/1950. Daraus entstand die erfolgreiche Modellreihe «Contaflex I » bis «Contaflex IV» von Zeiss Ikon AG Stuttgart. Das vorliegende erste Modell «Contaflex I» gab es in 4 Varianten mit folgenden Merkmalen: I/1 Belichtungszeiten 1-2-5-10-20 usw.; I/2 Belichtungszeiten 1-2-4-8-15 usw.; I/3 mit Selbstauslöser; I/4 mit Filter-Innengewinde 27 mm. Bei der vorliegenden Kamera handelt es sich um die Variante I/4. - Beiliegt: Bereitschaftstasche aus Leder, Gummi-Sonnenblende, Aluminium-Sonnenblende in Schachtel, UV-Filter, 4 Vorsatzlinsen in Etui.

Ref.: Contaflex I: Abring, Bd. II, 1662; McKeown S. 577. Contax D: Auer, Kameras gestern und heute, S. 213; Guide Michel Auer 1551.

Photobibliothek.ch 11273


1955: Füllfederhalter-Kamera

Stylophot. Kleinstkamera in Form eines dicken Füllfederhalters, ca.1955. Mit Kunststoff-Etui, Bedienungsanleitung und Sonnenblende. / SECAM, Paris. – 16mm-Film für 18 Aufnahmen 10 x 10 mm mit 2 Spezialpatronen. Fixfocus-Objektiv 27mm/1:6,3 mit einsteckbarer Sonnenblende. Einzeiten-Fallverschluss 1/50 s. Durchsichtsucher mit Rotscheibe, wenn Verschluss nicht gespannt.

Beiliegt: Kunststoff-Etui mit Bedienungsanleitung.

Ref.: Auer/Guide 235.

Photobibliothek.ch 2122


1959: Erfolgreichste Repotagekamera

NIKON F. Kleinbild-Spiegelreflexkamera, Gehäusenummer 7170399, produziert ab 1959. / Nippon Kogaku. – Wechselobjektiv mit Bajonettanschluss Nikkor-S Auto 1:1.4/50mm, Nummer 1037244. Schlitzverschluss 1-1/1000 s + B + T. Sucher Photomic FTN, produziert ab 1968.

Die Nikon F (später auch Nikon F1 genannt) war die erste Spiegelreflexkamera, die Nikon Kogaku herstellte. Sie wurde ab 1959 produziert. Zunächst war sie mit einem Dachkant-Pentaprisma und ab 1962 mit dem Sucher «Photomic» mit integrierter Belichtungsmessung ausgerüstet. Der vorliegende Sucher Photomic FTN wurde ab 1968 produziert und misst «Through The Lens» (TTL). Damit wird der Bildwinkel des verwendeten Objektivs ebenso automatisch berücksichtigt wie Verlängerungsfaktoren von Filtern oder Nahaufnahme-Zubehör. In den 60er Jahren wurde die Nikon F1 zur bevorzugten Kamera von Photoreportern. Die Nachfolgemodelle F2 (1971), F3 (1980) und F4 (1988) festigten den Ruf der Nikon als beste Reportagekamera (alle mit dem gleichen Bajonettanschluss wie die F1). - Beiliegt: Original Ledertasche.

Ref.: Braczko, Das Nikon Handbuch, 1990, Nr. 3-7 (Kamera) und 4-41 (Objektiv).

Photobibliothek.ch 14741


1963: Beginn der Farbphotographie für jedermann

Instamatic Camera 100. Kassettenkamera mit ausfahrbarem Blitz, hergestellt in Rochester 1963-1967, in Original-Kartonschachtel. / KODAK. – 126er Filmkassette für Negative 28 x 28 mm. Fixfocus-Objektiv 1:11, 43 mm, Verschluss 1/40 und 1/90 Sekunde. Leuchtrahmensucher.

Die erste Instamatic-Kameras ist ein Meilenstein in der Geschichte der Photographie: Dank der neu entwickelten 126er Filmkassette entfiel das komplizierte Einfädeln des Films, und durch die automatisierte Verarbeitung wurde das Photographieren mit Farbfilm für jedermann möglich.

Ref.: Coe 7/14. Willsberger, Fotofaszination, 1975, Nr. 106.

Photobibliothek.ch 12007


1967: Erfolgreichste Kleinstkamera

Die Minox-Kleinstkamera wurde durch Walter Zapp (1905-2003) erfunden und erstmals 1938 in Riga hergestellt («Riga-Minox» 1938-1941). Nach dem Krieg wurden 6 Modelle jeweils in zahlreichen Varianten hergestellt: Modell A 1948-1969 (noch ohne Belichtungsmesser). Modell B 1958-1972 (mit Selen-Nachführbelichtungsmesser). Modell C 1969-1978 (ab diesem Modell mit CdS-Belichtungsmesser). Modell BL 1972-1977. Modell LX ab 1978. Modell EC ab 1981.

Die Minox B

MINOX B. Kleinstkamera, Nr. 906485 [= 1967/1968]. / Minox [GmbH Giessen]. – Für Minox-Film 8 x 11 mm. Objektiv Complan 15mm/1:3,5. Lamellen-Verschluss 1/2...1/1000+B+T. Durchsichtsucher. Selen-Nachführbelichtungsmesser. Eingebaute Filter UV (fix), grün und grau.

Das vorliegende Modell B war das erfolgreichste: es wurden 384000 Stück produziert.

Photobibliothek.ch 12041

Von oben, geschlossen

 

Von oben, aufnahmebereit

Von oben, ganz geöffnet, elektrische und mechanische Kupplung getrennt

Von vorne, geschlossen, Sucherfenster unsichtbar, Objektiv abgedeckt

Von vorne, aufnahmebereit, Sucherfenster und Objektiv sichtbar

Von unten, geschlossen

Von unten, ganz geöffnet zum Einlegen der Filmkassette

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Das Standard-Lehrbuch zur Minox

Kleine MINOX - grosse Bilder. / Rolf Kasemeier. – 14.-18. Tsd. – Seebruck am Chiemsee: Heering 1961. – 16°quer. 216 S. mit Abb. Ln. SU.

Die Erstausgabe erschien 1958 und erreichte 1974 das 70. Tausend.

Ref.: HBK2 04431.

Photobibliothek.ch 10979

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Die Zeitschrift zur Minox

Der MINOX-FREUND. Informationsschrift des Minox-Werkes. – Heft 10 u. 14-20. – Giessen: Minox GmbH 1958-1970. – 16°/8°. Je 16...24 S. mit Abb. Br.

Der Minox-Freund wurde kostenlos an alle Minox-Besitzer abgegeben, sobald sie in der Kundenkartei eingetragen waren. Er war nur 15 x 15 cm gross. Die Ausgabe Nr. 20 musste deshalb auf Drängen der Post grösser, im Format A5, gedruckt werden. Mit dieser Nummer wurde sein Erscheinen im Frühjahr 1970 eingestellt.

Ref.: Heckmann, Minox, 1992, S. 166-169.

Photobibliothek.ch 2662


1972: Das Design-Wunder von Polaroid

POLAROID SX-70 Land Camera. Erste faltbare Sofortbild-Spiegelreflexkamera. In Original-Ledertragtasche passend zur Belederung der Kamera. – Für Polaroid-Film Typ SX-70. Vierlinsiges Objektiv 116mm/1:8. Belichtungszeit 1/175 bis über 10 Sekunden. Belichtungsmessung mittels Photodiode neben dem Objektiv. Entfernungseinstellung 27 cm bis Unendlich. Produziert von 1972 bis 1977.

Bezüglich ihres Designs eine der eigenwilligsten Kameras, die es je gab. Es können drei Varianten unterschieden werden: 1. ohne Schnittbildentfernungsmesser und ohne Entfernungsskala (10/1972-10/1973); 2. mit Schnittbildentfernungsmesser aber ohne Entfernungsskala (vorliegende Kamera); 3. mit Schnittbildentfernungsmesser und mit Entfernungsskala.

Photobibliothek.ch 16245


1983: Die Kultkamera

LOMO LC-A. Kleinbildkamera mit Belichtungsautomatik, hergestellt seit 1983. / Leningradskoje Optiko Mechanitscheskoje Objedinienie. – Objektiv «Minitar 1» 32mm/1:2.8. Verschluss 1/500 Sekunde bis 2 Minuten. Durchsichtsucher.

Lomo steht für Leningradskoje Optiko Mechanitscheskoje Objedinienie (1962 gegründet). Die Kamera wurde von 1983 bis 2005 unverändert mit einem extremen Weitwinkel und vier festen Einstellungen zum Scharfstellen gebaut. Die Lomo LC-A wurde im Westen zum Kultobjekt, nachdem sie den Ausverkauf nach der Wende nur knapp überlebt hatte. 1988 haben die Wiener Studenten Matthias Fiegl, Wolfgang Stranzinger und Christoph Hofinger sie entdeckt und zum Spielzeug für Leute erklärt, «die schon mit fünf Jahren ein ferngesteuertes Motorboot hatten und sich mit fünfundzwanzig nach ein bisschen Individualismus sehnten». Sie gründetenden den Verein der Lomo-Liebhaber und entwickelten eine neue Bild-Ästhetik, die Lomo-Philosophie. Die ersten 30 Kameras schmuggelten sie 1992 von Bratislava nach Wien.

Photobibliothek.ch 12215


1990/1991: Die erste Digitalkamera

Steven J. Sasson hatte bereits 1975 für Kodak die erste elektronische Kamera mit digitaler Bildspeicherung entwickelt (4 kg schwer). Diese nahm das Bild mit einem CCD-Sensor von Fairchild (100 x 100 Pixel) mit 50 ms Belichtungszeit auf und speicherte es in einem RAM-Speicher (12 x 4 kBit). Die dauerhafte Speicherung geschah dann auf einem Kassettenrekorder (Übertragungszeit 23 Sekunden). Mit einem separaten Wiedergabegerät konnte das digitale Signal des Kassettenrecorders über einen Mikroprozessor (Motorola Mc 6800) in ein Analogsignal zur Wiedergabe als Endlosschleife auf einem normalen Fernsehapparat umgewandelt werden.

Ende der 80er Jahre waren die «Mavica» von Sony und die «ION» von Canon die ersten Still-Video-Kameras für den Amateurmarkt mit austauschbarem Bildspeicher in Form einer 2"-Video-Floppydisk für 50 Aufnahmen. Diese Still-Video-Kameras waren noch keine Digitalkameras – alles geschah ja anolog. Die Übertragung auf einen PC war nicht vorgesehen, dafür konnte das analoge Signal per Telefon übertragen werden. Der Nachrichtensender CNN nutzte dies am 4. Juni 1989: unter Umgehung der chinesischen Zensurbehörden lieferte eine «Mavica» die ersten Bilder vom Tian'anmen-Massaker.

Das US-Unternehmen Dycam entwickelte die erste «echte» Digitalkamera mit digitaler Bildspeicherung und stellte diese an der Comdex '90 erstmals vor. Für den europäischen Markt tat sich Dycam 1991 mit dem Schweizer Unternehmen Logitech zusammen. In den USA wurde die Kamera dann als «Dycam Model 1» (Farbe: dunkelgrau) und in Europa als «Logitech Fotoman FM-1» (Farbe: weiss) vermarktet.

Die erste digitale Spiegelreflexkamera, die «KODAK DCS100», erschien etwa zur gleichen Zeit, diese war aber extrem teuer und wurde nur im professionellen Bereich eingesetzt.

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Logitech Fotoman FM-1

LOGITECH FOTOMAN FM-1. Erste echte Digitalkamera mit digitaler Bildspeicherung für den Amateurbereich, Markteinführung in Europa 1991. – CCD Sensor 376 x 284 Pixel, Fixfokusobjektiv 1:4,5/8,5mm, Verschluss1/1000-1/30 Sekunde, optischer Sucher.

Da die «LOGITECH Fotoman FM-1» nur einen optischen Sucher aber noch keinen Bildschirm hatte, wurde der Status mittels akkustischem Feedback angezeigt. Ein langer, hoher Ton bedeutete «Kamera wieder aufnahmebereit», ein langer tiefer Ton «Akku bald leer» usw. Die Kamera brauchte permanent Strom, und die Akkus waren daher grundsätzlich nach etwa 36 Stunden leer, auch wenn die Kamera gar nicht benutzt wurde. War der Akku einmal entladen, gingen auch die Bilder verloren. Deshalb wurde empfohlen, die Kamera bei Nichtgebrauch sofort wieder in die Ladestation zu stecken. Das Herunterladen der maximal 32 Bilder über die serielle Schnittstelle war abendfüllend: selbst beim damals schnellsten 386er-PC dauerte es eine halbe Stunde!

Beiliegt: 1) Netzgerät 12 V, 500 mA. 2) Anschlusskabel für die serielle Schnittstelle RS232. 3) Sonnenblende mit Filtergewinde 37 mm.

Ref.: InfoWorld, 11.6.1990, S. 21 (Vorstellung Comdex '90). Zustand: Software fehlt, kann aber von hier heruntergeladen werden: ftp://ftp.logitech.com/pub/techsupport/cameras/

Photobibliothek.ch 15466

  

Die Elektronik der Logitech Fotoman FM-1 war auf dem neuesten Stand der Technik. Hauptproblem war der flüchtige RAM-Speicher (grösster Chip im Bild rechts), der seine Daten verlor, sobald die beiden Akkus leer waren (unten im rechten Bild, hier aus Sicherheitsgründen entfernt).

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Technische Daten und Preis der Logitech Fotoman FM-1

Brennweite:8,5 mm (= 55 mm KB)
Blende: 1:4,5
Verschlusszeiten: 1/1000 bis 1/30 Sekunde (1/25 Sekunde mit Blitz)
CCD-Sensor: 376 x 284 Pixel
Farbtiefe: 256 Graustufen
Empfindlichkeit: ISO200, mit Graufilter ISO25
Interner Speicher: 4 MB für maximal 32 Bilder
Serielle Schnittstelle: RS232
Stromversorgung: 2 Akkus AA NiCd fest eingebaut
Gewicht: 300 Gramm
Preis 1991: 800...1000 USD, 500 GBP, 1700 DEM

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Originalaufnahmen, die mit einer Logitech Fotoman FM-1 gemacht wurden

376 x 284 Pixel, 256 Graustufen
1 Bildpixel entspricht 1 Bildschirmpixel (wenn Zoom auf 100%)
© 1996 John Henshall

376 x 284 Pixel, 256 Graustufen
1 Bildpixel entspricht 1 Bildschirmpixel (wenn Zoom auf 100%)
© 2008 Ralf Jannke

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Dycam Model 1

Die erste Dycam Model 1 nutzte nur 376 x 240 Pixel des CCD-Sensors (später 376 x 284), wohl um Speicherplatz zu sparen, weil der Speicher nur 1 MB gross war (später 4 MB).

376 x 240 Pixel, 256 Graustufen
Originalaufnahme, die mit einer Dycam Model 1 gemacht wurde
1 Bildpixel entspricht 1 Bildschirmpixel (wenn Zoom auf 100%)
Urheber unbekannt

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Logitech Fotoman Plus FM-2

1993 brachte Logitech die Fotoman Plus FM-2 für Schwarzweissbilder mit einer Auflösung von 496 x 358 Pixel heraus (entspricht wahrscheinlich Dycam Model 3).

496 x 358 Pixel, 256 Graustufen
Originalaufnahme, die mit einer Logitech Fotoman Plus FM-2 gemacht wurde
1 Bildpixel entspricht 1 Bildschirmpixel (wenn Zoom auf 100%)
Beispielbild der Logitech-Bildbearbeitungssoftware zur Fotoman Plus FM-2


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