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Die deutsche Büchergilde Gutenberg wurde 1924 vom Bildungsverband der deutschen Buchdrucker auf Initiative ihres Vorsitzenden Bruno Dressler in Leipzig gegründet. In der Tradition der deutschen Arbeiterbewegung stehend, wollte sie ärmeren Leuten durch preiswerte Bücher Zugang zu Bildung und Kultur verschaffen. Nach der Machtergreifung 1933 machte sich die Schweizer Büchergilde Gutenberg (gegründet 1927) von Deutschland unabhängig und setzte unter der Leitung von SP-Nationalrat Hans Oprecht und Bruno Dressler die Arbeit im Exil fort. Bekannte Künstler gestalteten während des Krieges und auch noch einige Zeit danach die Bücher für die Schweizer Büchergilde. Allen voran Richard Paul Lohse, der viele der schönsten Schutzumschläge in seinem unverwechselbaren Stile schuf. Nach dem Krieg belebte der Sohn des Gründers, Helmut Dressler, die Büchergilde in Deutschland von neuem. 1936 wurde in Lausanne die Westschweizer Guilde du Livre gegründet. Ihr Leiter war Albert Mermoud, der dank seiner guten Beziehungen zu Westschweizer und französischen Schriftstellern und Künstlern die Guilde du Livre auch im französischen Sprachraum zum Erfolg führte. Nach dem Krieg wurden durch die Guilde du Livre viele Photobücher publiziert. Werke von Robert Doisneau, Izis, Paul Strand, Gotthard Schuh und anderen bekannten Photographen gehören heute zu den Inkunabeln der Photokunst. Die deutschsprachige Büchergilde existiert bis heute, während die französischsprachige Guilde du Livre 1977 eingestellt wurde.
B. Traven und die Büchergilde
B. Travens Bücher wurden in 24 Sprachen überstzt und erreichten eine Gesamtauflage von etwa 30 Millionen. Die meisten hat er in der Büchergilde Gutenberg veröffentlicht, und damit ist der Erfolg der Büchergilde eng mit dem Erfolg B. Travens verknüpft. B. Traven hat Zeit seines Lebens versucht, seine wahre Identität zu verbergen. Auch noch heute ist seine Biographie umstritten. Am wahrscheinlichsten ist, dass er am 23. Februar 1882 als Otto Feige in Schwiebus, welches heute zu Polen gehört, geboren wurde. Ab 1917 brachte er in München die anarchistische Zeitschrift «Der Ziegelbrenner» unter dem Namen Ret Marut heraus. 1919 wurde er als Mitglied der Münchner Räterepublik zum Tode verurteilt, er konnte jedoch fliehen und den «Ziegelbrenner» bis 1921 weiter in Köln herausbringen. Es wird vermutet, dass er über England und Kanada 1924 nach Mexiko gelangte. Dort lebte er unter dem Namen Traven Torsvan bis zu seinem Tod am 26. März 1969. Seine Witwe bestätigte die Identität von Traven Torsvan mit B. Traven und Ret Marut. Als John Houston 1947 den Romans «Der Schatz der Sierra Madre» mit Humphrey Bogart in der Hauptrolle verfilmte, liess sich B. Traven wahrscheinlich selbst als «Vertrauter von B. Traven» unter dem Namen Hal Croves als Berater anstellen. Die wichtigsten Bücher von B. Traven sind:
Deutsche Büchergilde Gutenberg 1924-1933
Die Bücher, die in der deutschen Büchergilde Gutenberg zwischen 1924 und 1933 erschienen, waren grösstenteils typographisch gestaltete Leinenbände und vereinzelt photographisch gestaltete Halbleinenbände. Nur ganz wenige Bücher erschienen mit Schutzumschlag. Die bisher sicher vollständigste Bibliographie für diesen Zeitraum [1] ist kürzlich bei Frank Albrecht erschienen.
B. Traven, Das Totenschiff, Erstausgabe, 1926. Mit dem Paginierungsfehler «89» anstatt «98».
B. Traven, Der Schatz der Sierra Madre, 2. Auflage im Jahr der Erstausgabe, 1927. Die oberste Zeile auf Seite 18 endet mit «badeten» und nicht mehr, wie in der Erstausgabe, mit «und».
B. Traven, Land des Frühlings, 2. Auflage im Jahr der Erstausgabe, 1928. Das Bild unten auf S. 13 ist noch 7,6 cm hoch (später 7,2 cm), aber die unterste Zeile auf Seite 13 hat alle Punkte (in der EA fehlen 3 Punkte). Dies ist das einzige Sachbuch von Traven, indem er sich zudem erfolgreich als Photograph hervortat.
André Reuze, Giganten der Landstrasse,
deutsche Erstausgabe, 1928.
Michail Karpow, Die fünfte Liebe, deutsche Erstausgabe, 1929.
Colin Ross, Das Fahrten- und Abenteuerbuch,
zweite Ausgabe, 1930.
Erich Knauf, Ca ira! Erstausgabe, 1930. Gestaltung von Rudolf Dörwald.
B. Traven, Der Karren, 1931 (Caoba-Zyklus Band 1). Gemäss Albrecht [1] unter Berücksichtigung aller Druckfehler-Varianten Erstausgabe oder zweite Auflage. Die vorliegende Ausgabe hat auf Seite 48 im letzten Abschnitt einen Punkt und noch kein Ausrufezeichen.
Ellen Wilkinson, Die Kluft, deutsche Erstausgabe, 1931. Gestaltung von Emil Zbinden.
John Knittel, Therese Etienne, Erstausgabe in der Büchergilde, 1932.
Schweizer Büchergilde Gutenberg 1933 bis nach dem Krieg
Ab 1933 bis nach dem Krieg war die Büchergilde Gutenberg im Schweizer Exil. Auch für diesen Zeitraum hat Frank Albrecht eine Bibliographie [2] verfasst. Im Gegensatz zu [1] ist diese jedoch nicht vollständig, sondern sie umfasst nur die Bestände von Albrecht für den Zeitraum 1933 bis 1949. Dies sind aber immerhin 217 Bände, die ausführlich beschrieben und abgebildet werden.
Hugo Adolf Bernatzik, Gari-Gari, 1935 (Lizenzausgabe von Seidel & Sohn, Wien, 1930).
B. Traven, Die Troza, 1936 (Caoba-Zyklus Band 4). Gestaltung von Emil Zbinden.
B. Traven: Sonnen-Schöpfung, Erstausgabe (Werbeprämie), 1936.
Upton Sinclair, Co-op, 1937. Gestaltung von O. R. Schatz.
B. Traven, Das Totenschiff, Erstausgabe in der Exilgilde, 1937. Gestaltung von Emil Zbinden.
John dos Passos, Der grosse Schatten, 1938. Gestaltung von Richard Paul Lohse.
Arnold Hoellriegel, Zarzura, 1938 (Lizenzausgabe
von Orell Füssli).
Fred Bowald, In den Sümpfen des Rio Nunez, 1939. Gestaltung von Richard Paul Lohse
Peter Freuchen, Ivalu, 1940. Gestaltung von Paul Urban.
William Concoran, Ein Mann namens Murray, 1940. Gestaltung von Richard Paul Lohse.
Martha Niggli, Der Rödendahlhof, 1941. Gestaltung von Richard Paul Lohse.
James Brodie, Der Hutmacher und sein Schloss, 1941. Gestaltung von Richard Paul Lohse.
Thyde Monnier, Nans der Schäfer, 1942. Gestaltung von Richard Paul Lohse.
B. Traven, Die weisse Rose, Erstausgabe in der Exilgilde,1942. Gestaltung von Richard Paul Lohse.
Herman Melville, Moby Dick oder der weisse Wal, 1942. Gestaltung von Otto Tschumi.
Theun de Vries, Das Glücksrad, 1942. Gestaltung von Richard Paul Lohse.
Ester Lindin, Eva und die Gemeinde, 1942. Gestaltung von Richard Paul Lohse.
Hermann Hesse, Der Steppenwolf, 1942 (Lizenzausgabe von Suhrkamp).
Ernst Koehli und Hermann Hiltbrunner, Das Wunder der Pflanze, Erstausgabe (Werbegabe), 1942. Die Buchmaquette zu diesem Buch befindet sich im Besitz der Sammlung.
Paul Senn, Bauer und Arbeiter, 1943.
René König, Sizilien, 1943. Lin Yutang, Peking (erstes und zweites Buch), Blatt im Sturm, 1943/1944. Gestaltung von Richard Paul Lohse.
Michail Scholochow, Der stille Don, 1943 (erster Band), 1948 (vierter Band). Gestaltung von Heinz Ammannn.
Jakob Job, Sardinienfahrt, 1944. Gestaltung von Richard Paul Lohse.
Arthur Heye, Amazonasfahrt, 1944. Gestaltung von Richard Paul Lohse.
Johann David Wyss, Felix Moeschlin, Der Schweizerische Robinson, 1944.
Fred Bowald, Lagunenstürme, 1945. Gestaltung von Richard Paul Lohse.
Max Senger, Wie die Schweizer Alpen erobert wurden, 1945. Gestaltung von Richard Paul Lohse.
B. Traven, Die Baumwollpflücker, Erstausgabe in der Exilgilde, 1945.
Ciro Alegria, Taita Rumi, 1945. Gestaltung von Richard Paul Lohse.
Max Werner Lenz, Fahrerin Scherrer, 1946. Gestaltung von Richard Paul Lohse.
C. H. W. Van Leeuwen u.a., Entdecker und Entdeckungen, 1946. Gestaltung von Richard Paul Lohse.
Franz Mehring, Karl Marx, 1946. Gestaltung von Richard Paul Lohse.
Vicki Baum, Liebe und Tod auf Bali, 1946.
Jonny Rieger, Tropenfracht, 1946.
Gertrud Hess, Der Vogel, 1946. Gestaltung von Richard Paul Lohse.
Compton Mackenzie, Franklin Delano Roosevelt, 1946.
Betty Smith, Ein Baum wächst in Brooklyn, 1947. Gestaltung von Richard Paul Lohse. Richard Wright, Wir Neger in Amerika, 1948. Gestaltung von Richard Paul Lohse.
Heinrich Jenny-Lips, Vegetation der Schweizer Alpen, 1948.
B. Traven, Macario, Erstausgabe (Treueprämie), 1950.
Walter Bosshard, Kühles Grasland Mongolei, 1950. Gestaltung von Heinz Ammann.
La Guilde du Livre 1936-1977
Robert Doisneau, Blaise Cendrars, La Banlieue de Paris, 1949.
Izis, Paris des rêves, 1950.
Izis, Jacques Prévert, Grand bal du printemps, 1951.
Paul Strand, Claude Roy, La France de profil, 1952.
Gotthard Schuh, Iles des dieux, 1954.
Étienne Sved, Tristan Tzara, L'Égypte face à face, 1954.
Gotthard Schuh, Max Paul Fouchet, Instants volés - instants donnés, 1956.
Michel Huet, J. L. Bedouin, Noir d' ivoir, 1950.
Michel Huet, Pierre Verger u.a., Viet Nam, 1951.
Izis, Jacques Prévert, Charmes de Londres, 1952.
Vick/Dalain/Roiter, Gibert Cesbron, Les Petits des hommes, 1954.
Hélène Hoppenot, Mexique - Magie Maya, 1954.
Fulvio Roiter, Ombrie - Terre de Saint-François, 1955.
Henriette Grindat, Mimica Cranaki, Méditerranée, 1957.
Paul Strand, Françoi Nourissier, Les Hébrides, 1962.
Bibliograhien
[1] Frank Albrecht, Bibliographie der Büchergilde Gutenberg 1924-1933, Katalog 155, 2009. [2] Frank Albrecht, Die Büchergilde im Exil, Katalog 156, 2009.
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